Freitag, 22. Januar 2010
Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik
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ZYPERN: WIEDERHERSTELLUNG DER IKONE DES MULTIKULTURALISMUS Begegnung mit dem in Zypern residierenden katholischen Erzbischof Joseph Soueif aus Anlaß des goldenen Profeßjubiläums mir bekannter maronitisch-katholischer Franziskaner-missionarinnen. Exzellenz, würden Sie so freundlich sein, unseren Lesern kurz den Hintergrund der maronitischen Gemeinschaft von Zypern zu erläutern? Wie groß ist sie? Welchen geschichtlichen Hintergrund hat sie? Wie sehen ihre Beziehungen zu anderen christlichen Kirchen aus? Die maronitische Gemeinschaft von Zypern gehört zur antiochenisch-syrisch-maronitischen Kirche. Die Erzdiözese gehört zum maronitischen Patriarchat und ist unlängst Mitglied des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen geworden. Ihre Gründung in Zypern geht auf das 8. und 9. Jahrhundert zurück; aus geschichtlichen Quellen wissen wir, daß sie damals zahlreiche Mitglieder hatte. Heutzutage gibt es etwa 8000 bis 9000 Maroniten, alle voran Zyprioten, gleichwohl einige auch aus dem Libanon und den umliegenden Ländern stammen. Die Teilung der Inseln im Jahre 1974 und die anschließend Vertreibung der Bevölkerung haben innerhalb der zypriotischen Bevölkerung ein echtes Trauma ausgelöst. Denken Sie, daß die religiösen Akteure einen Beitrag zur Versöhnung der Gemeinschaften und zum Wiederaufbau der zypriotischen Gesellschaft leisten können? Wirken Sie an Initiativen der Versöhnung mit anderen Gemeinschaften, insbesondere mit der muslimischen Gemeinschaft, mit? Die Ereignisse von 1974 in Zypern lassen mich unmittelbar an die im Libanon im Jahre 1975 denken. In beiden Ländern kam es zu Teilung, Krieg und der damit einhergehenden materiellen, psychologischen und sozialen Zerstörung. Als jemand, der aus dem Libanon stammt, kann ich Ihnen versichern, daß Krieg keine Probleme löst, auch wenn einige der großen Akteure dies mitunter anders sehen. Ein Krieg zieht zwangsläufig weitere Kriege nach sich; nur Frieden und Dialog sowie das Akzeptieren von Unterschieden versetzen die Menschen in die Lage, sich untereinander zu versöhnen und Brücken der Verständigung zu bauen. Was von einem Krieg in kürzester Zeit zerstört wird, muß in langwieriger und mühevoller Arbeit wieder aufgebaut werden. Als Kirche werden wir selbstverständlich die anderen Gemeinschaften in Zypern, ob Christen oder Muslime, in ihren Bemühungen unterstützen, das Vertrauen zwischen den Völkern neu aufzubauen, Versöhnung zu stiften und auf diese Weise einen Beitrag zur Wiederherstellung der schönen Ikone des Multikulturalismus auf der Insel zu leisten. Wie schätzen Sie die Chancen für einen Wiedervereinigung Zyperns nach der Ablehnung des Annan-Planes und dem gescheiterten Versuch des Aufbaus eines Bundesstaates im Jahre 2004 ein? Glauben Sie an einen Erfolg der aktuellen Verhandlungen? Ich möchte hier keine politische Detaildiskussion beginnen, zumal ich ein neuer Erzbischof in Zypern bin. Ich wünsche mir für unser Volk, daß die laufenden Verhandlungen zu einer gerechten, dauerhaften und friedlichen Lösung der Probleme unseres Landes führen. Unser größter Wunsch als Maroniten ist es natürlich, eines Tages in eines unserer vier Dörfer zurückzukehren: Kormakitis, Asomatos, Ayia Marina und Karpasha. Zypern hat eine sehr lange Tradition der interreligiösen Koexistenz. Welche Lehre ziehen Sie daraus für die Europäische Union? Eines der besonderen Merkmale Europas ist seine kulturelle Vielfalt. Auf der Grundlage der langjährigen und eingehenden christlichen Erfahrung mit dem Multikulturalismus des Kontinents glaube ich, daß Zypern, wie bereits zuvor gesagt, ein wunderbares Beispiel für Mitmenschlichkeit und interreligiöse Koexistenz sein kann. [ENDE DES INTERVIEWS MIT DEM MARONITISCH-KATHOLISCHEN ERZBISCHOF VON ZYPERN.] Eröffnung des päpstlichen Priesterjahres durch den maronitisch-katholischen Erzbischof von Zypern, Msgr. Joseph Soueif, mit Priestern seines Bistums, aus dem Libanon und aus Europa in Kormakitis, dem wichtigsten Stützpunkt der Maroniten in Nordzypern. Vorausgesetzt wird bei den Lesern das Wissen um die korrekte Verwendung des Begriffes Kirche (Kirche als die eine von Christus gestiftete katholische Kirche, Kirche an einem Ort oder für einen bestimmten Personenkreis als Teilkirche, Kirche mit einem bestimmten [liturgischen und geistlichen] Erbe als Rituskirche, katholische Teilkirche und Rituskirche nur in Gemeinschaft mit dem Papst usw.) - das Interview paßt jedenfalls auch sehr gut zur laufenden Gebetswoche für die Einheit der Christen unter dem Motto "Er ist auferstanden - und ihr seid sein Zeugen." (Lk 24,48) Wer regelmäßig Europe Infos beziehen möchte, kontaktiert am besten das COMECE-Sekretariat unter comece@comece.eu. In der genannten Januarausgabe wird auch der ständige Präsident des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, vorgestellt. Die COMECE ist die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft. Sie setzt sich aus den delegierten Bischöfen der 24 katholischen Bischofskonferenzen aus dem Gebiet der Europäischen Union zusammen. Ihr ständiges Sekretariat hat seinen Sitz in Brüssel. Dem von Erzbischof Soueif genannten und davon zu unterschiedenden Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) gehören als Mitglieder die derzeit 33 katholischen Bischofskonferenzen Europas an, rechtmäßig vertreten durch ihre Präsidenten, sowie die Erzbischöfe von Luxemburg, des Fürstentums Monaco, der Maroniten auf Zypern und der Bischof von Chişinău (Moldawien). Vorsitzender des CCEE ist Péter Kardinal Erdő, Erzbischof von Esztergom-Budapest, Primas von Ungarn. Stellvertretende Vorsitzende sind Josip Kardinal Bozanić, Erzbischof von Zagreb, und Jean-Pierre Kardinal Ricard, Erzbischof von Bordeaux. Generalsekretär des CCEE ist P. Duarte da Cunha. Der Sitz des Sekretariates befindet sich in St. Gallen (Schweiz). Vom 1. bis zum 4. Oktober 2009 waren die Vorsitzenden der europäischen Bischofskonferenzen in der Maison de la Conférence des Evêques de France in Paris zusammengetreten. Die Plenarversammlung hatte dabei dem berechtigten Antrag von Seiner Exzellenz Msgr. Joseph Soueif, Erzbischof der Maroniten auf Zypern, auf Beitritt zum Rat der Europäischen Bischofskonferenzen einstimmig stattgegeben. Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. wird nach derzeit vorliegenden Informationen die Insel Zypern im Zeitraum vom 4. bis 6. Juni 2010 - noch innerhalb des Priesterjahres - besuchen. Dabei soll den Repräsentanten der katholischen Ostkirchen (davon ist eine eben die maronitisch-katholische Rituskirche) auch schon das Instrumentum laboris (Arbeitsdokument) für die geplante wichtige Bischofssynode (Sonderversammlung für den Nahen Osten) überreicht werden. Am 19. Januar 2010 wurden ja die Lineamenta (Die katholische Kirche im Nahen Osten: Gemeinschaft und Zeugnis. "Die Gemeinde der Gläubigen waren ein Herz und eine Seele" [Apg 4,32]) vom 8. Dezember 2009 für dieselbe Synode vorgestellt, und die Antworten auf die darin gestellten Fragen sind von den angesprochenen Teilkirchen bis Ostern zu beantworten, damit eben das genannte Instrumentum laboris fertiggestellt werden kann. Die Papstreise nach Zypern ist daher unter mehrfachem Blickwinkel von höchster Bedeutung, sowohl was diese Sondersynode und die im Umkreis wirkenden Teil- und Rituskirchen betrifft als auch was die Kontakte zur zyprisch-orthodoxen, griechisch-orthodoxen und vor allem auch zur russisch-orthodoxen Kirche betrifft. Die Sonder-Bischofssynode für den Nahen Osten wird dann in Rom vom 10. bis 24. Oktober 2010 stattfinden. Und die nächste Plenarversammlung des CCEE ist auf Einladung von Josip Kardinal Bozanic, des Erzbischofs von Zagreb und stellvertretenden Vorsitzenden des CCEE, und von Mgr. Marin Srakic, des Bischofs von Dakovo und Srijem und Präsidenten der kroatischen Bischofskonferenz, für 30. September bis 3. Oktober 2010 in Zagreb (Kroatien) angesetzt. So bleibt nur zu hoffen, daß sich all diese Impulse und der im Interview ausgedrückte Wunsch sowie der optimistische Ausblick des einzigen residierenden katholischen Erzbischofs von Zypern auf das Inselleben und den Frieden in der Region positiv auswirken mögen. Euer Vizeoffizial Dr. Alexander Pytlik - Padre Alex Trackbacks
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