Mittwoch, 23. Juni 2010
TOTALES MOBBING? BISCHOF WALTER MIXA ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik
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TOTALES MOBBING? BISCHOF WALTER MIXA ZWISCHEN REHABILITATION UND VERURTEILUNG?
Totales Mobbing gegen den emeritierten katholischen Bischof Dr. Walter Mixa? Bischof Mixa irgendwo zwischen Rehabilitierung und Verurteilung? Anmerkungen und Fragen von Vizeoffizial Dr. iur. can. Alexander Pytlik, die nicht ohne die vom Bischof bereits am vergangenen Samstag diktierte "Bitte um Versöhnung und neuen Zusammenhalt der Gläubigen in der Diözese Augsburg des emeritierten katholischen Diözesan- und Militärbischofs Dr. Walter Mixa" gelesen werden sollen:
1. Am 8. Mai 2010 hat Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. gemäß der offiziellen Mitteilung den Verzicht auf die seelsorgliche Leitung der Diözese Augsburg angenommen, der von Bischof Walter Mixa in Übereinstimmung mit can. 401 § 2 CIC präsentiert worden war, und auch den Verzicht auf das Amt des Militärordinarius für die Bundesrepublik Deutschland, vom selben Bischof vorgelegt. Damit ist für alle Katholiken geklärt, daß der Papst zum damaligen Zeitpunkt ein gültig vorliegendes Rücktrittsgesuch des genannten Bischofs erkannte. Zu keinem Zeitpunkt hat Bischof Walter Mixa geäußert oder auch nur angedeutet, er würde gegen diese Entscheidung des Papstes selbst rechtlich ankämpfen oder sie gar für ungültig ansehen, auch wenn er für sich selbst analysiert hat, keinen aus freien Stücken erklärten Rücktrittswillen zum Ausdruck gebracht zu haben. Diese Frage ist jedoch seit der Annahme des Rücktrittes durch den Papst nicht mehr direkt relevant, sondern kann - wenn es der Papst so wollte - für eine weitere Zukunft oder etwaige weitere Schritte des Heiligen Stuhles in bezug auf den somit emeritierten Diözesan- und Militärbischof mitberücksichtigt werden. 2. Bis zur Stunde und wohl darüber hinaus ist also rechtskräftig geklärt, daß Bischof Walter Mixa emeritierter Diözesan- und Militärbischof ist und somit alle gewöhnlichen Rechte eines emeritierten katholischen Diözesanbischofs besitzt. "Sie alle bleiben auch als Emeriti weiterhin Glieder des Kollegiums der Bischöfe 'kraft der sakramentalen Weihe und der hierarchischen Gemeinschaft mit dem Haupt und den Gliedern des Kollegiums' (can. 336 CIC). Sie haben deshalb das Recht, am Ökumenischen Konzil mit entscheidendem Stimmrecht teilzunehmen (vgl. can. 339 CIC) und die kollegiale Vollmacht innerhalb der Grenzen des Rechtes auszuüben (vgl. can. 337 § 2 CIC)." (Bestimmungen für Bischöfe, die aus dem Amt scheiden, 31. Oktober 1988.) Mehr noch, in diesen von Kardinal Gantin und dem heutigen Kardinal Re unterzeichneten Bestimmungen der Kongregation für die Bischöfe heißt es auch: "Tatsächlich genügt nicht das Recht, ihren Wohnsitz in der Diözese, die ihnen zuletzt anvertraut war, zu behalten, um ein Heilmittel gegen ihre Einsamkeit anbieten zu können, und ebensowenig genügt das Recht auf einen hinreichenden und würdigen Unterhalt (vgl. can. 402 CIC)." Die beim fruchtbaren Meinungsaustausch zusammengetragenen Vorschläge zur teilweisen Behebung des Problems wurden dem Diener Gottes Johannes Paul II. vorgelegt, der sie dann am 29. Oktober 1988 approbierte. 3. Daraus geht nun hervor, daß die emeritierten Bischöfe auch weiterhin zu konsultieren sind, um ihre anerkannte pastorale Erfahrung zu nutzen. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß Bischof Mixa schon vor seinen Jahren als Bischof von Eichstätt, von Augsburg und für die Bundeswehr über Jahrzehnte hinweg in der Pfarrseelsorge tätig war. Weiters geht aus den römischen Bestimmungen hervor, daß "einige emeritierte Bischöfe, die auf manchem Gebiet besonders kompetent sind, zu den Mitgliedern der verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie hinzugefügt werden können, und zwar unter dem Titel von beigeordneten Mitgliedern." Die Bischofskonferenz kann auch einen emeritierten Bischof zur Bischofssynode entsenden. Und: "Wo immer die Statuten der Bischofskonferenzen die Präsenz der emeritierten Bischöfe mit konsultativem Stimmrecht nicht vorsehen, bemühe man sich, sie bei einigen Treffen und in mancher Studienkommission zu berücksichtigen, wenn es um Thematiken geht, bei denen die emeritierten Bischöfe besonders kompetent sind." Zweifellos hat Bischof Mixa auf dem Gebiet der Militärseelsorge einen enormen Überblick und ein nicht zu vernachlässigendes wertvolles pastorales Wissen erworben, auf das zum Beispiel in diesem Zusammenhang zurückgegriffen werden könnte. 4. Warum ich das alles vorausschicke? Weil derzeit so getan wird, als ob es trotz der freispruchmäßigen Einstellung eines staatlichen Verfahrens irgendeine andere rechtskräftige Verurteilung oder ein klares Wort des Heiligen Stuhles gäbe, daß Bischof Mixa auch alle diese vorgenannten Rechte längst verwirkt hätte. Dem ist aber bis zur Stunde nicht so, und sämtliche Vorwürfe müßten präzise vorgelegt und nach den bewährten Maßstäben des kirchlichen Rechtes auch unter Wahrung des unverletzlichen natürlichen Grundrechtes auf Verteidigung geprüft werden, um überhaupt für rechtliche Einschränkungen bei einem emeritierten Bischof relevant sein zu können, abgesehen von Maßnahmen der Prävention und der Klugheit, die der Heilige Stuhl auch übergangsmäßig verhängen könnte. In Wirklichkeit gilt auch weiterhin das Wort des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz vom 22. April 2010: "Wir haben unserem Mitbruder viel zu verdanken: Sowohl in seiner Zeit als Bischof von Eichstätt (1996 – 2005) als auch seit 2005 als Bischof von Augsburg. Als Mitglied der Pastoralkommission, als stellvertretender Vorsitzender der Liturgiekommission und als Mitglied der Kommission für Ehe und Familie hat Bischof Walter Mixa unserer Arbeit vielfältige Impulse gegeben. Eine besondere Anerkennung verdient sein sehr engagierter Einsatz als katholischer Militärbischof der Deutschen Bundeswehr." Außerdem sagte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, daß er das Rücktrittsgesuch nicht als Schuldeingeständnis verstanden habe. 5. Anläßlich der Annahme des Rücktrittes sagte dann derselbe Erzbischof: "Ich hoffe, daß die verschiedenen Vorwürfe in den unterschiedlichen Bereichen von den zuständigen Stellen bald geklärt werden können." Und gestern ließ der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz verlauten: "(Die versammelten Bischöfe) bestätigen, daß die in den Medien jetzt bekannt gewordenen Vorwürfe gegen ihn im April 2010 nach Rom weitergeleitet worden sind." Was mir diesbezüglich abgeht, ist genau jene Transparenz, die von Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. gegenüber der Katholischen Kirche in Irland am 19. März 2010 exemplarisch eingefordert worden ist: "Nur entschiedenes Vorgehen, das in vollkommener Ehrlichkeit und Transparenz erfolgt, werden den Respekt und das Wohlwollen des irischen Volks gegenüber der Kirche, der wir unser Leben geweiht haben, wiederherstellen." Welche der bekannt gewordenen Vorwürfe waren und sind es aber ganz präzise, welche sexuellen Opfer des emeritierten Bischofs Walter Mixa haben sich bei den Ombudsstellen oder wo anders nachweislich gemeldet bzw. wurden explizit eingeladen, welche "unterschiedlichen Bereiche" waren und sind es, und wer waren und sind die befaßten "zuständigen Stellen"? Wie weit ist die Prüfung der somit erst im April 2010 an den Heiligen Stuhl übermittelten Vorwürfe? 6. Ich halte daher fest - und ich spreche hier nicht neutral, sondern aus der Perspektive eines Anwaltes - daß solange nicht von Seiten des Heiligen Stuhles über die Annahme des Rücktrittes hinaus eine Erklärung ergeht, welche Bischof Walter Mixa Rechte abspricht oder Vergehen aufgrund einer bestimmten Beweisdichte anrechnet, er als katholischer Bischof mit allen Rechten und Pflichten seines Status als Emeritus anzuerkennen ist. Durch den bei nicht wenigen innerhalb und außerhalb der Katholischen Kirche gegebenen Eindruck eines totalen Mobbings des Dr. Walter Mixa erhalte ich mittlerweile schon solche Tweets: "Die Frage mit Mixa ist doch, haben wir hier einen zweiten Fall Pater Maciel, ich weiß nicht, was die Wahrheit ist, traurig sicher." Beim derzeitigen Stand der offenbar – abgesehen von der Einstellung eines Verfahrens - nach keinem Rechtssystem geprüften "Vorwürfe" muß ich in aller Deutlichkeit antworten: "Nein!" Dann wären im übrigen auch (viel zu spät) Mitwisser und opportunistische Nutznießer in den Blickwinkel zu nehmen. Zum verstorbenen Gründer der Legionäre Christi hat der Heilige Stuhl am 1. Mai 2010 nämlich folgendes verlauten lassen: "Das sehr schwerwiegende und objektiv unmoralische Verhalten von Pater Maciel, das durch unbestreitbare Zeugenaussagen belegt ist, äußert sich bisweilen in Gestalt von wirklichen Straftaten und offenbart ein gewissenloses Leben ohne echte religiöse Gesinnung. Der Großteil der Legionäre wußte nichts von diesem Leben, vor allem aufgrund des von Pater Maciel aufgebauten Beziehungssystems, der es geschickt verstand, sich Alibis zu verschaffen und bei den Personen seiner Umgebung Vertrauen, Vertraulichkeit und Stillschweigen zu erreichen und die eigene Rolle als charismatischer Gründer zu stärken." Diese unangreifbare Feststellung zum verstorbenen Pater Maciel erfolgte allerdings nach einer umfassenden Apostolischen Visitation. Und eben eine ähnliche in der Katholischen Kirche bei vielen Skandalfällen (vgl. z. B. das Bistum St. Pölten oder die irischen Diözesen) bewährte umfassende Prüfung aller Vorgänge und Vorkommnisse hätten sich meiner Meinung nach nicht wenige Katholiken gewünscht. So jedoch wird der Eindruck erweckt, man sei zwischen Verurteilung und Rehabilitation des Bischofs steckengeblieben. Und so werde ich wohl auch weiterhin vertrauliche Nachrichten erhalten, die solche oder ähnliche Bausteine enthalten: "Wie gesagt, ich habe kein Interesse, diese Geschichte aufzuwärmen, was nur mit vollem Namen und öffentlich möglich wäre. Weil ich der Meinung bin, daß Bischof Mixa genug gestraft und es der Peinlichkeiten genug ist. Wenn allerdings Kirchenmänner von außen wie Sie nichts unversucht lassen, weiterhin an einer Legendenbildung zu stricken, dann frage ich mich wirklich, ob mein Weg der richtige ist." Abgesehen von der Perspektive eines Anwaltes geht es mir in allen Fällen niemals um Legendenbildung, sondern um Transparenz, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Nur auf diesem Fundament kann ein halbwegs stabiler Frieden für alle Interessierten gefunden werden. Euer Padre Alex - Vizeoffizial Dr. Alexander Pytlik P. S. Mittlerweile ist eine gemeinsame Einigung zwischen dem Bistum Augsburg und dem emeritierten Diözesanbischof Dr. Walter Mixa erreicht worden, welche die Rechte und Pflichten aller Beteiligten wahrt. Mittwoch, 26. Mai 2010
RÖMISCHE BESTIMMUNGEN FÜR ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik
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RÖMISCHE BESTIMMUNGEN FÜR EMERITIERTE KATHOLISCHE BISCHÖFE
Angesichts der Diskussionen der letzten Wochen und Monate sind nicht wenige regierende katholische Bischöfe in verschiedenen Ländern ins Blickfeld geraten, die dem Heiligen Vater ihren Rücktritt angeboten haben. Nach Annahme eines solchen freiwillig erklärten Rücktrittes gelten sie dann als emeritierte Bischöfe, die im Unterschied zu früher nicht auf einen Titularsitz versetzt werden, sondern ihr zuletzt regiertes Bistum in ihrem Titel weiterführen. Schon 1988 (zwei Jahre vor der Approbation des CCEO) hat sich die römische Kongregation für die Bischöfe mit dieser Thematik beschäftigt, und ich biete - offenbar erstmals im Internet - eine deutsche Übersetzung (vorerst aus dem Italienischen, d. h. ohne Gegenprüfung mit dem lateinischen Originaltext):
KONGREGATION FÜR DIE BISCHÖFE BESTIMMUNGEN FÜR BISCHÖFE, DIE AUS DEM AMT SCHEIDEN (vgl. Normae de Episcopis ab officio cessantibus, Communicationes 20, 1988, S. 167 f.) Die wachsende Zahl der Diözesanbischöfe, der Koadjutoren und der Auxiliarbischöfe, die gemäß der Bestimmung des can. 401 CIC auf das Amt verzichtet haben, stellt für das Leben der Kirche mittlerweile eine Begebenheit hoher Bedeutung dar. Sie alle bleiben auch als Emeriti weiterhin Glieder des Kollegiums der Bischöfe "kraft der sakramentalen Weihe und der hierarchischen Gemeinschaft mit dem Haupt und den Gliedern des Kollegiums" (can. 336 CIC). Sie haben deshalb das Recht, am Ökumenischen Konzil mit entscheidendem Stimmrecht teilzunehmen (vgl. can. 339 CIC) und die kollegiale Vollmacht innerhalb der Grenzen des Rechtes auszuüben (vgl. can. 337 § 2 CIC). Aber angesichts der Tatsache, daß diese Ereignisse im Leben der universalen Kirche den Charakter der Einmaligkeit und Außergewöhnlichkeit an sich haben, erschien es opportun, nach geeigneteren Möglichkeiten zu suchen, wodurch sich die emeritierten Bischöfe weiterhin als für den Dienst der Kirche nützlich fühlen können. Tatsächlich genügt nicht das Recht, ihren Wohnsitz in der Diözese, die ihnen zuletzt anvertraut war, zu behalten, um ein Heilmittel gegen ihre Einsamkeit anbieten zu können, und ebensowenig genügt das Recht auf einen hinreichenden und würdigen Unterhalt (vgl. can. 402 CIC). Außerdem müssen zur Gruppe der emeritierten Bischöfe auch die Bischöfe hinzugezählt werden, die ein Amt an der Römischen Kurie, an den Päpstlichen Gesandtschaften oder in anderen Funktionen verlassen haben, sei es durch Ablauf des Mandates, sei es durch Abberufung oder durch Amtsverzicht (vgl. can. 367 CIC). Da sich die Sachlage so präsentierte, hat die Kongregation für die Bischöfe nach Annahme des Vorschlages des Päpstlichen Staatssekretariates im April 1988 eine Zusammenkunft unter den Dikasterien veranstaltet, um für das Problem eine geeignete und erwartete Lösung zu schaffen. Die bei diesem fruchtbaren Meinungsaustausch unter den Teilnehmern zusammengetragenen Vorschläge wurden der erhabenen Aufmerksamkeit des Papstes anheimgestellt, der sie in der Audienz des 29. Oktober 1988 wohlwollend approbiert und derselben Kongregation für die Bischöfe den Auftrag erteilt hat, die Dikasterien der Römischen Kurie und alle Bischofskonferenzen über deren Durchführung zu informieren: Die vom Papst in der Audienz vom 29. Oktober 1988 approbierten Anträge 1. Die emeritierten Bischöfe mögen ebenso wie die anderen Bischöfe zu Problemen allgemeiner Art konsultiert werden, um ihre anerkannte pastorale Erfahrung zu nutzen. Deshalb mögen auch den emeritierten Bischöfe im voraus die Dokumente des Heiligen Stuhles und vor allem jene des Heiligen Vaters zugestellt werden, so wie es bei den im Amt befindlichen Bischöfen geschieht, sodaß sie auch weiterhin über die Probleme größerer Bedeutung informiert sein können. 2. Einige emeritierte Bischöfe, die auf manchem Gebiet besonders kompetent sind, können zu den Mitgliedern der verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie hinzugefügt werden, und zwar unter dem Titel von beigeordneten Mitgliedern. So können auch die emeritierten Bischöfe verpflichtet werden, da zu sein, wenn es um die Ernennung der Konsultoren der Römischen Kurie geht. 3. Bei der Auswahl der Mitglieder, die an der Bischofssynode teilnehmen, werden die Bischofskonferenzen auch jemanden aus den emeritierten Bischöfen in Erwägung ziehen können, der sich durch besondere Kompetenz und Erfahrung auszeichnet. 4. Wo immer die Statuten der Bischofskonferenzen die Präsenz der emeritierten Bischöfe mit konsultativem Stimmrecht nicht vorsehen, bemühe man sich, sie bei einigen Treffen und in mancher Studienkommission zu berücksichtigen, wenn es um Thematiken geht, bei denen die emeritierten Bischöfe besonders kompetent sind. Außerdem sorge man vor, ihnen die Hauptdokumente derselben Bischofskonferenz zukommen zu lassen. 5. Jede Diözese sorge dafür, ihrem emeritierten Bischof das diözesane Amtsblatt und andere ähnliche Dokumentationen zuzusenden, um ihn, soweit es möglich ist, über die verschiedenen Initiativen der diözesanen Gemeinschaft zu informieren. Diese sei auch besonders fürsorglich, was seine wirtschaftliche Situation betrifft, indem sie ihm in Großzügigkeit und in den Grenzen ihrer eigenen Möglichkeiten die Hilfsmittel zur Verfügung stellt. 6. Die universale Kirche achte ihre Verantwortung, die gebührende Fürsorge gegenüber den emeritierten Bischöfen auszuüben, damit das Gefühl ihrer Einsamkeit abgemildert werde und sie sich nicht verlassen fühlen. Rom, aus dem Palast der Kongregation für die Bischöfe, am 31. Oktober 1988. Bernardin Kardinal Gantin, Präfekt Giovanni Battista Re, Erzbischof von Vescovio, Sekretär [ENDE MEINER ÜBERSETZUNG DER BESTIMMUNGEN FÜR EMERITIERTE BISCHÖFE.] Samstag, 1. Mai 2010
VATIKAN: KLARER ABSCHLUSSBERICHT ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik
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VATIKAN: KLARER ABSCHLUSSBERICHT APOSTOLISCHE VISITATION DER LEGIONÄRE CHRISTI
Die von Papst Benedikt XVI. immer schon gewünschte klare Linie der Transparenz und Aufklärung bei Mißbrauchsvorwürfen, die mittlerweile zum Programm der ganzen Weltkirche geworden ist, wird vom selben Heiligen Vater konsequent weiterverfolgt. Dies zeigt sich in der heute ergangenen Verlautbarung des Heiligen Stuhles nach der mühevollen Durchführung der Apostolischen Visitation durch fünf direkte Stellvertreter des Papstes, durch Apostolische Visitatoren, bei der Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi. Einmal mehr wird dadurch auch klar, wie sehr die nachvollziehbare und auch in der Öffentlichkeit logisch dargestellte Arbeit einer Visitation und ihres Abschlusses dem Willen des Papstes entsprach und entspricht. Hier hat - ich wiederhole mich im Blogbuch - der damalige Päpstliche Visitator und heutige Diözesanbischof Dr. Dr. Klaus Küng bei der Visitation des Bistums St. Pölten und seines Priesterseminars im Jahre 2004 jenen Standard gesetzt, der nunmehr klar die Linie der ganzen Kirche sein soll. Wer den Hirtenbrief des Papstes an die Iren immer noch nicht zur Kenntnis genommen hat, muß es spätestens jetzt tun, denn nur so wird klar, warum es nur noch den Weg der radikalen Ehrlichkeit und Aufarbeitung geben kann.
Bestimmten "Heiligsprechungen" angeblich völlig heiligmäßiger Personen durch einzelne Lobbygruppen ist damit ein für alle Mal ein Riegel vor die Türe geschoben. Nur dem Papst und mit ihm der Kirche als ganzer stehen definitive Heiligsprechungen zu. Und eine so klare Vorgehensweise wie im Fall des somit nie zu einer Selig- oder Heiligsprechung anstehenden prominenten Gründers der Legionäre Christi hatte Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. bereits als Kurienkardinal auch beim mittlerweile ebenso schon verstorbenen Wiener Kardinal-Erzbischofs Hans Hermann Kardinal Groër OSB gewünscht, wie bereits mehrfach bezeugt ist. Nach dem nun bekanntgewordenen Zeugnis des Abtes Franziskus Heereman OSB hatte er sich eben deshalb auch für die (dann tatsächlich geschehene) Apostolische Visitation des Benediktinerstiftes Göttweig im Jahre 1998 eingesetzt, wie die Journalistin Katrin Bennhold kürzlich recherchierte und am 26. April 2010 in der New York Times publizierte: "Abbot Franziskus Heereman, who helped conduct the inquiry, or visitation, says that Cardinal Ratzinger was the driving force inside the Vatican behind the investigation. After the one-week visitation ended in March, Cardinal Groër was removed from the priory (for 'health reasons'), told to stay out of public view and sent to a convent in eastern Germany for six months. 'Imposing on a cardinal to stay out of the public view and forbidding him to take part in official ceremonies is a very serious punishment,' Cardinal Schönborn said." Hier nun ein exemplarisches Beispiel vom heutigen Tag, wie über den Verlauf einer so gründlichen Visitation öffentlich Bescheid gegeben wird, durch den Vatikan selbst (Verlinkungen und Hervorhebungen von mir): VERLAUTBARUNG DES HEILIGEN STUHLES [ZUR APOSTOLISCHEN VISITATION DER LEGIONÄRE CHRISTI] IN EIGENER ÜBERSETZUNG: 1. Am 30. April und am 1. Mai 2010 hat der Kardinalstaatssekretär eine Zusammenkunft mit den fünf Bischöfen geleitet, die beauftragt waren, die Apostolische Visitation bei der Kongregation der Legionäre Christi durchzuführen (S. E. Ricardo Blázquez Pérez, Erzbischof von Valladolid; S. E. Charles Joseph Chaput, OFMCap, Erzbischof von Denver; S. E. Ricardo Ezzati Andrello SDB, Erzbischof von Concepción; S. E. Giuseppe Versaldi, Diözesanbischof von Alessandria; S. E. Ricardo Watty Urquidi, M.Sp.S., Diözesanbischof von Tepic). Es nahmen auch teil die Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre und der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens sowie der Substitut für die allgemeinen Angelegenheiten des Staatssekretariats. Eine der Sitzungen hat in Anwesenheit des Heiligen Vaters stattgefunden, dem die Visitatoren eine Zusammenfassung ihrer Berichte präsentierten, die sie schon zuvor eingesandt hatten. Im Zuge der Visitation wurden mehr als 1000 Legionäre persönlich getroffen, und es wurden hunderte schriftliche Zeugnisse überprüft. Die Visitatoren haben sich in fast alle Ordensniederlassungen begeben und viele der Apostolatswerke kennengelernt, die von der Kongregation geleitet werden. Sie haben mündlich und schriftlich das Urteil vieler Diözesanbischöfe der Länder angehört, in denen die Kongregation wirkt. Die Visitatoren haben auch eine stattliche Anzahl an Mitgliedern der Bewegung "Regnum Christi" getroffen, auch wenn diese nicht Objekt der Visitation war, wobei es sich besonders um gottgeweihte Männer und Frauen handelte. Die Apostolischen Visitatoren haben auch eine beträchtliche Korrespondenz von Seiten der darin engagierten Laien und der mit der Bewegung zusammenhängenden Familien erhalten. Die fünf Visitatoren haben die ihnen gewährte ernsthafte Aufnahme und den Geist der tatkräftigen Zusammenarbeit bezeugt, der von Seiten der Kongregation und der einzelnen Ordensleute vorlag. Obwohl sie unabhängig voneinander gearbeitet haben, sind sie zu einer weitgehend übereinstimmenden Bewertung und zu einem gemeinsamen Urteil gelangt. Sie haben festgestellt, eine große Anzahl beispielhafter rechtschaffener Ordensleute getroffen zu haben, ausgestattet mit vielen Talenten und darunter viele Jüngere, die Christus mit authentischem Eifer suchen und ihre ganze Existenz für die Verbreitung des Reiches Gottes darbringen. 2. Die Apostolische Visitation konnte aufweisen, daß die Lebensführung von Pater Marcial Maciel Degollado ernsthafte Konsequenzen im Leben und in der Struktur der Legion verursacht hat, so sehr, daß ein Weg der tiefgehenden Revision erforderlich ist. Die sehr schwerwiegenden und objektiv unmoralischen Verhaltensweisen von Pater Maciel, die durch unbestreitbare Zeugenaussagen bestätigt sind, erweisen sich bisweilen als wirkliche Straftaten und zeugen von einem skrupellosen Leben, ohne authentische religiöse Ausrichtung. Einem großen Teil der Legionäre war ein solches Leben nicht bekannt, vor allem aufgrund des von Pater Maciel geschaffenen Beziehungssystems, der es geschickt verstand, sich Alibis zu verschaffen und bei den ihn umgebenden Personen Ansehen, Vertrauen und Stillschweigen zu erwirken und die eigene Rolle als charismatischer Gründer zu festigen. Nicht selten hatten [1.] ein beklagenswertes In-Mißkredit-Bringen und [2.] das Entfernen derer, die an seinem korrekten Lebenswandel zweifelten, und auch [3.] die irrige Auffassung, dem Guten nicht schaden zu wollen, was die Legion vollbrachte, um ihn herum einen Verteidigungsmechanismus geschaffen, der ihn über lange Zeit unangreifbar und es folglich äußerst schwierig machte, sein wahres Leben zu kennenzulernen. 3. Der ernsthafte Eifer der Mehrheit der Legionäre, der sich auch bei den Besuchen der Kongregationshäuser und bei vielen ihrer Werke zeigte und von nicht wenigen höchst geschätzt wird, hat in der Vergangenheit viele dazu geführt, die Anschuldigungen - die immer beharrlicher geäußert und da und dort lanciert wurden - für nichts anderes als für Verleumdungen halten zu können. Deshalb hatten die Aufdeckung und die Kenntnis der Wahrheit über den Gründer bei den Mitgliedern der Legion Überraschung, Erschütterung und tiefen Schmerz ausgelöst, was von den Visitatoren deutlich hervorgehoben wurde. 4. Aus den Ergebnissen der Apostolischen Visitation sind unter anderem diese Gesichtspunkte mit Klarheit hervorgegangen: a) die Notwendigkeit, das Charisma der Kongregation der Legionäre Christi neu zu definieren, unter Wahrung des wahren Kerns, nämlich der "militia Christi", die das apostolische und missionarische Handeln der Kirche auszeichnet und die nicht ident ist mit dem Leistungsstreben um jeden Preis; b) die Notwendigkeit, die Ausübung der Autorität zu revidieren, die mit der Wahrheit verbunden werden muß, um das Gewissen zu achten, und die sich im Lichte des Evangeliums zu einem authentischen kirchlichen Dienst entwickeln muß; c) die Notwendigkeit, mittels einer angemessenen Fortbildung die Glaubensbegeisterung der Jüngeren, den missionarischen Eifer und den apostolischen Tatendrang aufrechtzuerhalten. Tatsächlich könnte die Enttäuschung über den Gründer die Berufung und jenen Kern des Charismas, der zu den Legionären Christi gehört und ihnen eigen ist, in Frage stellen. 5. Der Heilige Vater möchte allen Legionären und Mitgliedern der Bewegung "Regnum Christi" versichern, daß sie nicht alleine gelassen werden: die Kirche hat den festen Willen, sie zu begleiten und ihnen auf dem Weg der Reinigung zu helfen, der für sie bevorsteht. Dieser wird auch eine ehrliche Begegnung mit jenen beinhalten, die innerhalb und außerhalb der Legion Opfer der sexuellen Mißbräuche und des vom Gründer eingesetzten Macht-Systems geworden sind: ihnen gelten in dieser Stunde die Gedanken und das Gebet des Heiligen Vaters, verbunden mit der Dankbarkeit gegenüber jenen unter ihnen, die inmitten großer Schwierigkeiten den Mut und die Beharrlichkeit gehabt haben, die Wahrheit einzufordern. 6. Der Heilige Vater hat sich vorbehalten, die Modalitäten dieser Begleitung demnächst festzulegen, begonnen mit der Ernennung eines Delegaten und einer Studienkommission für die Konstitutionen. Gleichzeitig dankt er den Visitatoren für die von ihnen mit Kompetenz, Großzügigkeit und tiefer pastoraler Sensibilität durchgeführte heikle Arbeit. Den gottgeweihten Mitgliedern der Bewegung "Regnum Christi", die darauf insistiert haben, wird der Heilige Vater einen Visitator senden. 7. Abschließend erneuert der Papst gegenüber allen Legionären Christi, gegenüber ihren in der Bewegung "Regnum Christi" engagierten Familien und Laien seine Ermutigung, in diesem für die Kongregation und für jeden einzelnen von ihnen schwierigen Moment. Er ruft sie auf, nicht ihre Berufung aus den Augen zu verlieren, die vom Ruf Christi herrührt und vom Ideal des Zeugnisses Seiner Liebe gegenüber der Welt beseelt ist. Sie ist ein authentisches Geschenk von Gott, ein Reichtum für die Kirche, ein unzerstörbares Fundament, auf dem die jeweils persönliche Zukunft und jene der Legion aufgebaut werden kann. [ENDE DER VERLAUTBARUNG DES HEILIGEN STUHLES ZUR APOSTOLISCHEN VISITATION DER LEGIONÄRE CHRISTI.] Einen schönen Marienmonat Mai wünscht Euch allen Euer Padre Alex - Vizeoffizial Dr. Alexander Pytlik Donnerstag, 29. April 2010
ZYPERN 2010: DER VIELLEICHT ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik
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ZYPERN 2010: DER VIELLEICHT WICHTIGSTE BESUCH VON PAPST BENEDIKT XVI.
Möglicherweise findet in unseren Breiten eine der nächsten Apostolischen Reisen Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. nicht die Beachtung, die sie in Wirklichkeit verdiente. Meiner Meinung nach wird sein Besuch in Zypern vom 4. bis 6. Juni 2010 einer der wichtigsten in diesem Jahr 2010 und im gesamten Pontifikat werden. Damit wird Benedikt XVI. der erste Papst in der neueren Kirchengeschichte, der die Mittelmeerinsel Zypern besuchen und den Fußspuren des heiligen Paulus, des heiligen Barnabas, des Apostels von Zypern, und des heiligen Markus folgen wird. Als diese drei in Paphos ankamen und den römischen Gouverneur Sergius für das Christentum gewannen (vgl. Apg 13,4 - 13), war Zypern das erste Land, das überhaupt von einem Christen regiert wurde. Im Rahmen der Apostolischen Reise im Juni 2010 wird auch die Publikation des Instrumentum Laboris zur Sonderversammlung der Bischofssynode für den Nahen Osten erfolgen (vgl. die Lineamenta vom 8. Dezember 2009). Am Herz-Jesu-Freitag, dem 4. Juni 2010, wird nun der Papst um 09.30 Uhr vom Internationalen Flughafen Leonardo da Vinci (Fiumicino bei Rom) in Richtung Paphos abfliegen, um dort gegen 14.00 Uhr zu landen. Nach der Begrüßungszeremonie am Internationalen Flughafen von Paphos und der Ansprache Seiner Heiligkeit wird derselbe Papst Benedikt XVI. in der Kirche Agia Kiriaki Chrysopolitissa ankommen und dann auf dem geschichtsträchtigen archaölogischen Gelände ein ökumenisches Gebet leiten. Dort soll der heilige Paulus geschlagen worden sein (39 Hiebe), und ebendort hat im Vorjahr der von Papst Benedikt XVI. delegierte Renato Raffaele Kardinal Martino für Zypern das Festjahr des 2000. Geburtstages des Völkerapostels feierlich beendet. Im Newsletter der lateinisch-katholischen Pfarrei von Paphos heißt es: "His Holiness Pope Benedict will be welcomed to Ayia Kiriaki Church at 3pm, Friday 4th June, together with the President of Cyprus, Latin Patriarch of Jerusalem and Archbishop of Cyprus. Daryl and Anna Fitzgerald have been nominated as the photgraphers for this event. You will all see lots of photographs from this special day." Während die lateinischen Katholiken durch einen Patriarchalvikar betreut werden und somit diözesan zum Patriarchat von Jerusalem gehören, haben die maronitischen Katholiken einen eigenen Erzbischof, den einzigen regierenden katholischen Diözesanbischof mit Sitz in Zypern. Dieser, Erzbischof Ioussif Soueif, leitet auch das zentrale Komitee zur Koordinierung des Besuches, und sein Stellvertreter ist eben der lateinische Patriarchalvikar, P. Umberto Barato OFM (für den lateinischen Patriarchen Fouad Twal). Das Komitee verfügt über mehr als zehn Kommissionen, bestehend aus Priestern, Ordensleuten und engagierten Laienchristen, welche die Programmpunkte gemeinsam mit den zivilen Verantwortlichen vorbereiten. Erzbischof Soueif ist am 24. April 2010 auch noch zum Sondersekretär der bereits genannten Sonderversammlung der Bischossynode für den Nahen Osten berufen worden, sodaß sich in der Person des einzigen katholischen Erzbischofs Zyperns einige Anliegen des Papstes widerspiegeln.
Am Samstag, dem 5. Juni 2010, wird Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. in Lefkosia (Nicosia) um 09.15 Uhr einen Höflichkeitsbesuch beim international anerkannten Präsidenten der Republik Zypern im Präsidentenpalast absolvieren. Hernach findet um 09.45 Uhr ein Treffen mit den zivilen Autoritäten Zyperns und mit dem Diplomatischen Corps im großen Garten desselben Präsidentenpalastes statt. Um 10.45 Uhr trifft Papst Benedikt auf die gesamte katholische Gemeinschaft von Zypern, und zwar auf dem Sportgelände der Grundschule St. Maron in der noch immer geteilten Hauptstadt Nicosia. Dabei gibt es wiederum eine Ansprache des Petrusnachfolgers. Klar ist, daß bei diesem Treffen auch Katholiken aus dem noch immer türkisch kontrollierten Nordteil der Insel teilnehmen werden. In der Mittagszeit des Samstags wird der Papst um 12.15 Uhr Seiner Seligkeit Chrysostomos II., dem autokephalen orthodoxen Erzbischof von Neo Justiniana und ganz Zypern, ebenso einen Höflichkeitsbesuch (im orthodoxen Erzbischöflichen Palais in Nicosia) abstatten. Der orthodoxe Erzbischof schätzt den Papst schon seit den Zeiten, als Benedikt XVI. noch als Kurienkardinal Joseph Ratzinger fungierte. So findet dann um 13.30 Uhr im selben Erzbischofspalast noch ein großes Mittagessen mit dem Papst und mit dem Erzbischof sowie mit deren jeweiligen Delegationen statt. Dies ist ein sehr wichtiges Treffen, weil der Erzbischof auch traditionell sehr gute Kontakte zum Patriarchat in Moskau pflegt. Hier kann jeder selbst weiterdenken. Am Sonntagvorabend um 17.30 Uhr zelebriert der Heilige Vater dann mit Priestern, Diakonen, Ordensmännern und Ordensfrauen sowie mit den Katechisten (Religionslehrern und Religionslehrerinnen) und den Exponenten der kirchlichen Bewegungen in Zypern eine Heilige Messe (zum 10. Sonntag im Jahreskreis) in der lateinischen Heilig-Kreuz-Pfarrei in Nicosia. Und am Sonntag, dem 6. Juni 2010, selbst wird er dann um 09.30 Uhr einem feierlichen Sonntagsamt vorstehen, und zwar aus dem ausdrücklichen Anlaß der schon vorhin benannten Veröffentlichung des Instrumentum Laboris für die Spezialbischofssynode zum Nahen Osten. Dieses feierliche Meßopfer wird im Sportpalast Elefteria - weiterhin in der geteilten Haupstadt - gehalten. Um 12.00 Uhr folgt traditionell das gemeinsame Gebet des "Engel des Herrn" mit den zusätzlichen Worten des Papstes an die ganze Welt. Am sonntäglichen Mittagessen um 13.00 Uhr nehmen vor allem die Patriarchen und Bischöfe des besonderen Rates für die Nahost-Bischofssynode teil, aber auch Seine Seligkeit, der autokephale orthodoxe Erzbischof von Zypern, und die Mitglieder des päpstlichen Gefolges. Diese Begegnung findet in der Apostolischen Nuntiatur von Zypern statt. Der Apostolische Nuntius ist derzeit Erzbischof Antonio Franco. Um 16.00 Uhr wird sich der Papst offiziell von der Apostolischen Nuntiatur in Zypern verabschieden, und es folgt noch ein Besuch in der maronitisch-katholischen Kathedrale von Zypern mit einem Gruß des Heiligen Vaters. Die Maroniten stellen ja die größte mit dem Papst verbundene katholische Gruppe in der Bevölkerung aller Teile Zyperns dar. Die Abschiedzeremonie am Internationalen Flughafen von Larnaca mit einer Ansprache des Papstes wird dann um 17.45 Uhr gehalten, und am Sonntagabend wird Benedikt XVI. dann um 18.15 Uhr abfliegen, um gegen 20.45 Uhr wieder in Rom zu landen, diesmal am Flughafen von Ciampino. Wenn ich es richtig sehe, dann wird der Papst mit Alitalia ankommen und mit Cyprus Airways abfliegen. Es ist zu hoffen, daß auch beim Pastoralbesuch in Zypern die Ansprachen des Heiligen Vaters so wie während seiner letzten Apostolischen Reise nach Malta (anläßlich des 1950. Jahrestages des Schiffbruchs des heiligen Apostels Paulus) sofort in deutscher Sprache auf der Internetseite des Heiligen Stuhles abrufbar sein werden, wiewohl derzeit offenbar nur die englische und italienische Sprache geplant sind. Wünschenswert wäre natürlich auch eine sofortige Abrufbarkeit griechischer und türkischer Übersetzungen. Die Euromünzen Zyperns sind ja die ersten, die auch die türkische Amtssprache aufweisen. Durch die Wahl eines neuen Anführers der Türkisch-Zyprioten im Nordteil der Insel stellt sich aktuell die Frage, wie es mit den schon sehr weit gediehenen Verhandlungen für einen möglichen Einigungsprozeß der Insel weitergehen wird. Hier kann der Papst zweifellos versöhnende Akzente und Anstöße geben, und auch wenn das Besuchsprogramm primär einen geistlichen Zweck verfolgt und im übrigen streng die internationale Anerkennung der "Südregierung" als einziger wirklicher Regierung ganz Zyperns beachtet, so schließe ich nicht aus, daß der amtierende Präsident auch türkisch-zypriotische Nordpolitiker einlädt, an bestimmten Terminen mit dem Papst teilzunehmen. Schön wäre es natürlich auch, wenn der Papst in einer freien Minute den mittlerweile möglichen Fußweg vom Südteil der Haupstadt Lefkosia (Nicosia) in den Nordteil und wieder zurück absolvieren würde. Es gab ja schon öfters kleine Überraschungen bei Papstreisen, die nicht direkt vorangekündigt waren. Im übrigen sind ja seit der Zeit kurz vor dem EU-Beitritt der anerkannten Republik Zypern die "Grenzübergänge" relativ frei passierbar und auch vermehrt worden. Somit wird es auch Türkisch-Zyprioten ein Leichtes sein, an einzelnen Ereignissen dieses Papstbesuches teilzunehmen. Die maronitischen Katholiken sind - wie schon gesagt - in beiden größeren Teilen der im Grunde viergeteilten Insel (griechisch-zypriotisches Territorium, britische Hoheitszone, türkisch kontrollierte Nordzone und Pufferzone der Vereinten Nationen) gut vertreten. Der Papst wird ja mit 12 Mitgliedern (vatikanische Polizei, Schweizer Garde, Wachleute, Sekretär, Arzt) seines 30köpfigen Gefolges im Franziskanerkonvent bei der Heilig-Kreuz-Kirche (Holy Cross Church) und somit in der Apostolischen Nuntiatur untergebracht sein, also an einem Angelpunkt dreier unterschiedlich verwalteter Zonen im geteilten Nicosia. Ich bin gespannt, wie weit der Papst die offiziellen Amtssprachen der Republik Zypern in seine Begrüßungsworte einfließen lassen wird. Von daher ist die Zypernreise schon auch eine gewisse (indirekte) Fortsetzung seines historischen Türkeibesuches. Die Einladungsinitiative für Zypern ging jedenfalls im Vorjahr vom orthodoxen Erzbischof und vom amtierenden Präsidenten Dimitri Christofias aus. An sich wollte schon der Diener Gottes Johannes Paul II. kommen, aber aus zeitlichen und gesundheitlichen Gründen war es leider nicht mehr dazu gekommen. Die Katholische Kirche in Zypern ist wegen ihres Apostolates und wegen ihrer Erziehungsarbeit jedenfalls anerkannt und geschätzt. Besonders sind dabei die Franziskaner und Franziskanerinnen zu erwähnen, letztere sowohl aus lateinischen als auch aus maronitischen Mitgliedern zusammengesetzt. Mittlerweile wird nach jeder Heiligen Messe in Zypern ein Gebet für den Papst vor dessen Besuch verrichtet. Die relativ kleine Gruppe der Katholiken auf der Insel zeigt sich bereits im Vorfeld sehr begeistert von dem einzigartigen Privileg eines Besuches des sichtbaren Stellvertreters Christi auf Erden. Nebenbei wurde auch die Gelegenheit ergriffen, den franziskanischen Konvent und die Apostolische Nuntiatur in Nicosia erstmals seit den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts zu modernisieren, insbesondere was die elektrischen Leitungen betrifft. Auch die Heilig-Kreuz-Kirche profitiert vom Papstbesuch durch Renovierungen. Nichts desto trotz wird der Papst an diesem seinen zypriotischen Wohnsitz die noch immer sichtbaren Wunden der geteilten Hauptstadt Zyperns sehen können (z. B. nicht hergerichtete und leere heruntergekommene Bauten oder auch viele alte Sandsäcke), verursacht vor allem durch die Invasion der türkischen Truppen im Jahre 1974. Zypern als ganzes ist aber in seinem aktuellen Zustand friedlicher Stabilität vom Nahen Osten her sehr beliebt und auch leicht erreichbar, sodaß Besucher aus dem Libanon, aus Ägypten und aus Syrien teilnehmen können. Priester und Ordensleute werden auch aus Israel, aus den palästinensischen Gebieten, aus Jordanien, Saudiarabien, aus den Arabischen Emiraten, aus dem Irak und aus dem Iran erwartet. (Im Vorjahr konnten eben nicht alle zum Papst ins Heilige Land pilgern.) Für die große Papstmesse am Sonntag werden etwa 15000 bis 20000 Gläubige erwartet. Bei diesem Papstbesuch - so können wir sagen - verbinden sich auch verschiedene päpstliche Jahre, nämlich einerseits das zu Ende gegangene Paulusjahr und andererseits das zu Ende gehende Priesterjahr. Und in letzteres fällt nun auch noch das Jubiläumsjahr des 1600. Todestages des heiligen Maron, was am 14. Februar 2010 in der päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore feierlich eröffnet wurde. Für den maronitisch-katholischen Patriarchen Nasrallah Butros Sfeir ist es ein Jahr der Gerechtigkeit, der Versöhnung und der Buße. Leonardo Kardinal Sandri, Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, erinnerte aus diesem Anlaß heraus die Gläubigen, eine Gewissenserforschung darüber vorzunehmen, wo die eigenen Herzen verankert seien: "Die Frage stellt sich vor allem für uns Priester angesichts des leuchtenden priesterlichen Beispiels des heiligen Maron. Es ist die Frage, die bei der kommenden Nahost-Bischofssynode zu hören sein soll: die Christen, mit diesem ihren Namen eben in Antiochia benannt, müssen mit ihren Hirten ihren Blick auf Jesus richten, auf den wahren Schatz, um das Wesentliche des Glaubens neu zu finden und in der Gemeinschaft zu wachsen. Und dies ist im übrigen auch das authentische Charisma des Mönchtums: wesentlich und gemeinschaftlich sein in Christus." Den Maroniten rief er ihre spezifische ökumenische und interreligiöse Berufung in Erinnerung, und hier bietet deren Ursprungsland, der Libanon, ein historisch herausragendes Beispiel gegenseitigen Respektes und gegenseitiger Solidarität. Die mit der Zypernreise des Papstes in unmittelbarem Zusammenhang stehende 24. Versammlung der Bischofssynode, d. h. die Sonderversammlung für den Nahen Osten, wird dann in Rom im Zeitraum vom 10. bis 24. Oktober 2010 abgehalten und steht unter dem Motto "Die Katholische Kirche im Nahen Osten: Gemeinschaft und Zeugnis. 'Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele' (Apg 4, 32)". Die entsprechenden Lineamenta vom 8. Dezember 2009 bieten einen perfekten Überblick der existentiellen Fragestellungen, die sich für die Christen im Nahen Osten ergeben. Jedes Kapitel ist mit Fragen versehen, die bis zum 4. April 2010 beantwortet werden konnten, was natürlich in das Instrumentum Laboris für dieselbe Synode einfließen wird. Durch diese Synode sollen unter anderem auch die Bande der Gemeinschaft auf allen Ebenen vertieft werden: zwischen den verschiedenen katholischen Rituskirchen selbst und zwischen diesen und den anderen kirchlichen bzw. christlichen Gemeinschaften. Gleichzeitig soll das Zeugnis gegenüber den Juden, Muslimen, gegenüber allen Gläubigen und Ungläubigen verbessert werden. Entscheidend ist auch die Frage Nr. 7: " Was kann getan werden, um die Emigration der Christen aus dem Nahen Osten zu stoppen oder zu verlangsamen?" Und es wird in den Lineamenta keiner einzigen unangenehmen Fragestellung ausgewichen, so heißt es beispielsweise unter dem Kapitel der "Staat-Kirche-Beziehungen": "[83.] With the exception of Turkey [hier kann eingefügt werden: und Nordzypern, soferne es eigens betrachtet wird], secularism is not a part of Islam. Normally, Islam is the State religion. The principal source of legislation is Islam, inspired by Shariah law. For personal law (family and inheritance in some countries), there are particular regulations for Christian communities whose ecclesiastical tribunals are recognised and their decisions enacted. The constitutions of every country affirms the equality of citizens before the State. Religious education is compulsory in private and public schools, but is not always guaranteed for Christians. [84.] Certain countries are Islamic States, where Shariah law is applied in both private and public life, including the lives of non-Muslims, which always constitutes discrimination and, therefore, a violation of a person's human rights. Religious freedom and freedom of conscience are foreign to a Muslim mentality, which recognises freedom of worship, but does not permit the profession of a religion other than Islam, still less the abandonment of Islam. With the rise of Islamism, incidents against Christians are increasing almost everywhere." Es wird aber auch die Frage Nr. 27 gestellt: "In welchen Bereichen können wir mit Muslimen zusammenarbeiten?" Die Katholische Kirche geht in den Lineamenta davon aus, daß es einen spezifischen und unersetzbaren Beitrag des Christen im Nahen Osten gibt und geben muß, auch was den israelisch-palästinensischen Konflikt betrifft: "[86.] Several conflicts in the Middle East have arisen as a result of the main point of global attention, the Israeli-Palestinian conflict. The Christian has a special contribution to make in the area of justice and peace. Our duty is to denounce violence courageously, no matter its source, and to seek a solution, something which can only be achieved through dialogue. Moreover, while demanding justice for the down-trodden, the message of reconciliation, based on mutual forgiveness, needs to be proclaimed. The power of the Holy Spirit enables us to forgive and to ask for forgiveness. This is the only path to creating a new humanity. Political powers need to be open to the spiritual aspects of people and situations, something which they can receive from humble, selfless Christian activity. Allowing the Holy Spirit to penetrate the hearts of men and women in our region, who are suffering from conflict situations, is a specific contribution which Christians can make and the best service they can offer to their society." So dürfen wir hoffen, daß der Zypernbesuch Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. Anfang Juni 2010 in viele geographisch und konfessionell unterschiedlich gelagerte Lebensbereiche hineinwirken kann, kurzfristig und langfristig. Ich denke, daß es jedem Leser und jeder Leserin klar geworden ist, warum der so vielseitig angelegte und in so viele Regionen ausstrahlende Papstbesuch in Zypern einer der wichtigsten Besuche des regierenden Petrusnachfolgers werden wird. Wie sehr hatte der über Jahrzehnte als katholischer Pfarrer von Kormakitis (Nordzypern) eingesetzte maronitische Priester Antonios Terzi gewünscht, daß der Heilige Vater in Person Zypern betreten würde? Wie oft hat Pater Antoun betont, was die Katholiken und insbesondere die Maroniten nach 1974 dem diplomatischen Einsatz des Heiligen Stuhles zu verdanken haben - er verwies bei meinen Besuchen immer direkt auf den Diener Gottes Johannes Paul II., und nun wird es nach Gottes Willen so weit sein, und ich freue mich auch ganz persönlich sehr darüber. Doch zuvor absolviert Papst Benedikt XVI. noch seine Apostolische Reise nach Portugal, anläßlich des zehnten Jahrestages der Seligsprechung der Hirtenkinder von Fatima, Jacinta und Francisco. Diese seligen Kinder mögen uns im ganzen Monat Mai besonders beistehen, daß wir Maria, die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter in rechter Weise verehren und ihre Fürbitte für die kommenden Papstreisen erbitten. Herzlichen Gruß! Euer Padre Alex - Viezoffizial Dr. Alexander Pytlik |
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