Mittwoch, 23. Juni 2010
BISCHOF WALTER MIXA: BITTE UM ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik
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12:00
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BISCHOF WALTER MIXA: BITTE UM VERSÖHNUNG UND ZUSAMMENHALT
Diesen Brief diktierte mir der emeritierte Diözesanbischof und Militärordinarius Dr. Walter Mixa bereits am vergangenen Samstag nachmittag, heute wird er offiziell veröffentlicht.
Bitte um Versöhnung und neuen Zusammenhalt der Gläubigen in der Diözese Augsburg des emeritierten Katholischen Diözesan- und Militärbischofs Dr. Walter Mixa: Während der vergangenen Monate ist sehr viel in den Medien über die Verhältnisse in der Diözese Augsburg, auch über meine Person, geschrieben und gesagt worden. In vielfältiger Hinsicht waren die Berichte in dieser oder jener Richtung tendenziös. Über diese vergangenen Berichte will ich jetzt nicht sprechen, da sie weitgehend bekannt sind. Mir geht es mit meinem jetzigen Zeugnis nicht nur um eine Klarstellung, sondern darum, auch eine Versöhnung zu erbitten und alle dazu einzuladen. Vierzehn Jahre lang bin ich sehr gern Diözesanbischof sowohl in Eichstätt als auch in Augsburg gewesen und habe meine bischöflichen Dienste mit großer Bereitschaft und Liebe getan. Ebenso war ich in der Militärseelsorge mit unseren Soldaten in den verschiedenen Situationen immer gut verbunden und habe versucht, ihre Sorgen und Anliegen mitzutragen und auch den nötigen Trost zu geben. Wie allgemein bekannt, bin ich durch die widrigen Umstände, die sich wegen der Mißhandlungsfälle in verschiedenen Internaten und Häusern ergeben haben, auch ins Gespräch gekommen. Zwanzig Jahre hatte ich als Stadtpfarrer von Schrobenhausen eine Mitverantwortung für das dortige Kinder- und Jugendheim. In den vielen Jahren meines Dienstes habe ich immer versucht, den richtigen Weg einzuschlagen und mich bemüht, die Erwartungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu erfüllen. Ich will keineswegs verschweigen, daß mir nicht immer alle diese Vorsätze in der rechten Weise gelungen sind. Ich habe sicher auch viele Fehler gemacht, obwohl ich niemanden in irgendeiner Weise verletzen oder beschädigen wollte. Es soll aber nicht irgendeine Beschönigung ausgesprochen werden, sondern ich bitte nicht nur um Entschuldigung, sondern vor allem um Verzeihung für alles, was ich nicht recht gemacht habe und vor allen Dingen um Verzeihung bei all den Menschen, die ich nicht in der rechten Weise behandelt habe, deren Erwartungen ich nicht erfüllt habe und die ich enttäuscht habe. Dies tut mir von ganzem Herzen leid. Ein großer Trost ist für mich, daß in der Botschaft Jesu immer wieder die Rede ist von der Barmherzigkeit, die Gott uns in der Liebe Jesu schenkt. Damit will ich sagen: ich bin in vieler Hinsicht schuldig geworden und bitte alle, die ich enttäuscht habe, nochmals nicht nur um Verständnis, sondern auch um Verzeihung. Wegen der sich zusammenbrauenden Berichte in der unterschiedlichsten Weise sah ich mich in einer sehr schmerzlichen Situation veranlaßt, sehr schweren Herzens dem Papst meinen bischöflichen Dienst anzubieten, die sogenannte Resignation auf das Amt des Diözesanbischofs auszusprechen. Für mich ist es jetzt von einer ganz großen Bedeutung, daß in unserer Diözese gegenseitige Streitereien und gegenseitige schwerwiegende Vorwürfe abgebaut werden und daß wir alle zu einem guten Einverständnis und zum Frieden in der Gemeinschaft der Kirche finden. Der Heilige Vater hat mir in seinem sehr liebevollen Brief geschrieben, daß ich nach meinem Rücktritt von meinem Bischofsamt in Augsburg immer Bischof bleibe und daß ich die geistlichen Dienste wie die Feier der Eucharistie, die Spendung der Sakramente, auch der Firmung, wahrnehmen sollte und in unterschiedlicher Weise auch geistlich für viele Menschen da sein kann. Gleichzeitig sage ich allen unseren Priestern, Diakonen, hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre verantwortungsvollen Dienste ein aufrichtiges Vergelt´s Gott! Wichtig ist für mich jetzt vor allen Dingen, daß wir uns alle durch Taufe und Firmung als Gemeinschaft innerhalb der Katholischen Kirche verstehen, daß wir füreinander eintreten, aber auch füreinander beten und besonders auch mit Überzeugung die Eucharistie als Zeichen der Einheit feiern. Mit diesem Wunsch bitte ich alle in der Diözese nochmals um Verzeihung für das, was ich nicht richtig gemacht habe und bitte gleichzeitig um die Bereitschaft zur gegenseitigen Versöhnung und auch wieder zu gegenseitigem Vertrauen. Das ist mein ganz großer Wunsch, und ich hoffe und bete darum, daß uns dies in der kommenden Zeit mit dem Segen Gottes, mit der Fürsprache der Gottesmutter, nicht zuletzt auch durch das Beispiel der Heiligen gelingen möge. Mit ganz herzlichen Versöhnungs- und Segensbitten bin ich + Walter Mixa, emeritierter Diözesanbischof von Augsburg und emeritierter Militärordinarius der Bundesrepublik Deutschland Samstag, 20. März 2010
PAPST SEXUELLER MISSBRAUCH: ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik
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12:30
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PAPST SEXUELLER MISSBRAUCH: HIRTENBRIEF VON BENEDIKT XVI. FÜR IRLAND
Der Pressesprecher des Heiligen Stuhls, Hw. Pater Federico Lombardi SJ, stellte heute den allseits erwarteten Hirtenbrief des Papstes für die Katholiken Irlands vor: "Der Brief des Papstes an die Katholiken Irlands über die Krise, in die die Kirche des Landes über den sexuellen Mißbrauch gestürzt ist, ist ein eindrucksvolles Dokument. Es zeigt seinen Schmerz und seine persönliche Anteilnahme am Bemühen um Wiedergutmachung, Heilung und Erneuerung. Seine Worte wenden sich zunächst an die Opfer und zeigen eine tiefe Anteilnahme an ihrem Leiden. Er versteht ihre Enttäuschung, weil das Vertrauen, das sie in die Vertreter der Kirche gesetzt hatten, verraten wurde. Der Papst, der bereits in der Vergangenheit Mißbrauchsopfer getroffen hat, in den USA, in Australien und auch hier in Rom, ist bereit, das in der Zukunft wieder zu tun. Die Worte, die sich an die Schuldigen richten, sind sehr schwerwiegend. Der Papst betont, daß sie ihre Sünde und ihre Verbrechen vor Gott und vor den zuständigen Gerichten verantworten müssen. Aber auch, wenn sie sich der Rechtsprechung unterwerfen müssen, erinnert er sie daran, daß sie nicht an der Güte Gottes zweifeln dürfen und Buße tun müssen. Andere Worte des Papstes sind eine Ermutigung und eine Einladung zur Verantwortung. Sie richten sich an die Eltern, die Jugend, an die Priester und an alle Gläubigen. In seinen Worten an die Bischöfe richtet er an sie eine ernste Ermahnung, die Fehler in der Leitung ihnen anvertrauter Menschen wahrzunehmen. Der Papst besteht darauf, daß sie streng die Strafvorschriften der Kirche in Mißbrauchsfällen umsetzen und mit den staatlichen Justizbehörden und Institutionen zum Kinderschutz kooperieren. Der Papst schlägt auch konkrete geistliche und pastorale Initiativen der Buße und der geistlichen Erneuerung vor. Wie sein Besuch in den Vereinigten Staaten der Ortskirche geholfen hat, sich aus einer ähnlichen Krise zu erheben und sich mit erneuertem Vertrauen auf den Weg zu machen, so soll auch dieser Brief an die Gläubigen Irlands den Anfang eines neuen Weges aufzeigen."
I. UMFASSENDE ÜBERSICHT ALLER RELEVANTEN DOKUMENTE AUF DER RESSOURCENSEITE DES HEILIGEN STUHLES! L'Osservatore Romano vom 22. März 2010 gibt als offizielle Sprache des Hirtenbriefes Englisch an und nennt ihn das vom Papst am Hochfest des heiligen Josef unterzeichnete Dokument in der Intention, den "Prozeß der Buße, der Heilung und der Erneuerung" zu fördern. II. OFFIZIELLE ZUSAMMENFASSUNG DES HIRTENBRIEFES DES PAPSTES AN DIE IRISCHEN GLÄUBIGEN IN EIGENER ÜBERSETZUNG: Der Papst hat einen Hirtenbrief an alle Katholiken Irlands gerichtet, um die Bestürzung über die von Vertretern der Kirche begangenen sexuellen Mißbräuche junger Menschen und über die Art und Weise auszudrücken, wie diesen Fällen von den Bischöfen Irlands und von den Ordensoberen begegnet wurde. Er bittet, daß der Brief aufmerksam und vollständig gelesen werde. Der Heilige Vater spricht über seine Verbundenheit im Gebet mit der gesamten irischen katholischen Gemeinschaft in dieser sehr bitteren Zeit und schlägt einen Weg der Heilung, der Erneuerung und der Wiedergutmachung vor. Er ruft sie dazu auf, sich an den Felsen zu erinnern, aus dem sie gehauen sind (Jes 51,1: "Hört auf mich, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt und die ihr den Herrn sucht. Blickt auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid, auf den Schacht, aus dem ihr herausgebohrt wurdet"), und im besonderen an den wichtigen Beitrag, den die irischen Missionare zur Zivilisation Europas und zur Verbreitung des Christentums auf jedem Kontinent eingebracht haben. In den letzten Jahren haben sich in Irland für den Glauben viele Herausforderungen ergeben, im Gefolge eines rapiden sozialen Wandels und eines Rückganges der Bindung an die traditionellen Formen der Frömmigkeit und des sakramentalen Lebens. Dies ist der Kontext, innerhalb dessen man die Art und Weise verstehen muß, wie die Kirche dem Problem des sexuellen Mißbrauchs der Kinder begegnet ist. Viele Faktoren sind es, die das Problem verursacht haben: eine unzureichende moralische und geistliche Ausbildung in den Seminarien und Noviziaten, eine Tendenz in der Gesellschaft, den Klerus und andere Autoritätspersonen geschönt zu betrachten, eine unangebrachte Sorge wegen des guten Namens der Kirche und zur Vermeidung der Skandale. Dies alles hat zum Versäumnis geführt, die geltenden kirchenrechtlichen Strafen im Falle der Notwendigkeit anzuwenden. Nur durch sorgfältige Untersuchung der vielen Elemente, welche die Krise herbeiführten, können ihre Ursachen präzise identifiziert und wirksame Heilmittel gefunden werden. Während des Ad-Limina-Besuches in Rom hat der Papst im Jahre 2006 die irischen Bischöfe ermahnt, die "Wahrheit über das ans Licht zu bringen, was in der Vergangenheit geschehen ist, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit sich derartiges nicht mehr wiederholt, zu gewährleisten, daß die Prinzipien der Gerechtigkeit vollkommen geachtet werden und, vor allem, den Opfern und all jenen Heilung zu bringen, die von diesen ungeheuerlichen Verbrechen betroffen sind." Seit damals hat der Papst bei mehr als einer Gelegenheit gewünscht, Opfer zu treffen, ihre Geschichten anzuhören, mit ihnen und für sie zu beten, und er ist bereit, das in Zukunft wieder zu tun. Im Februar 2010 hat er die irischen Bischöfe nach Rom gerufen, um mit ihnen die Maßnahmen zu prüfen, die sie zur Heilung des Problems einzusetzen trachten, unter besonderer Berücksichtigung der Vorgehensweisen und Ordnungen, die jetzt in Geltung sind, um den Schutz der Kinder im kirchlichen Umfeld sicherzustellen und um auf Anschuldigungen von Mißbrauch schnell und gerecht zu reagieren. In diesem Hirtenbrief spricht er eine ganze Reihe von Gruppen innerhalb der irischen katholischen Gemeinschaft im Licht der Situation, die entstanden ist, direkt an. Indem sich der Papst an erster Stelle an die Mißbrauchsopfer wendet, erkennt er den furchtbaren Verrat an, den sie erleiden mußten, und er sagt ihnen, wie sehr es ihm das leid tue, was sie ertragen mußten. Er erkennt, wie in vielen Fällen niemand bereit war, sie anzuhören, wenn sie den Mut fanden, über das zu sprechen, was geschehen war. Er versteht, wie sich diejenigen, die in Internaten lebten, gefühlt haben müssen, als sie bemerkten, keine Möglichkeit zur Flucht aus ihren Leiden zu haben. Auch wenn der Papst einsieht, wie schwer es vielen von ihnen erscheinen muß, zu vergeben oder sich mit der Kirche zu versöhnen, ruft er sie auf, die Hoffnung nicht zu verlieren. Jesus Christus, selbst Opfer ungerechter Leiden, versteht das Übermaß ihrer Qual und die Fortdauer ihrer Wirkung in ihren Leben und in ihren Beziehungen. Nichts desto trotz sind ausgerechnet Seine Verletzungen - verwandelt durch Seine erlösenden Leiden - die Mittel, durch welche die Macht des Bösen gebrochen wird und wir zu neuem Leben und zu neuer Hoffnung geboren werden. Der Papst ruft die Opfer auf, in der Kirche die Gelegenheit zu suchen, Jesus Christus zu begegnen und Heilung sowie Versöhnung zu finden, indem sie die unendliche Liebe wiederentdecken, die Christus für jede(n) von ihnen hat. In seinen Worten an die Priester und an die Ordensleute, die junge Menschen mißbraucht haben, erinnert sie der Papst, daß sie vor Gott und vor den rechtmäßig konstituierten Gerichten Rechenschaft für ihre sündhaften und verbrecherischen Handlungen ablegen müssen, die sie begangen haben. Sie haben ein heilig zu haltendes Vertrauen verraten sowie Schande und Unehre auf ihre Mitbrüder geworfen. Ein großer Schaden wurde nicht nur den Opfern zugefügt, sondern auch dem öffentlichen Bild des Priestertums und des Ordenslebens in Irland. Während sie der Papst auffordert, sich den Notwendigkeiten der Gerechtigkeit zu beugen, erinnert er sie, daß sie die Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes nicht verlieren dürfen, die Gott auch den größten Sündern frei angeboten hat, wenn sie ihre Handlungen bereuen, Buße tun und demütig um Vergebung bitten. Der Papst ermutigt die Eltern, in der schwierigen Aufgabe auszuharren, die Kinder so zu erziehen, daß sie erkennen, geliebt und gewünscht zu sein, und daß sie eine gesunde Wertschätzung für sich selbst entwickeln. Die Eltern haben die vorrangige Verantwortung für die Erziehung der nachfolgenden Generationen in den moralischen Prinzipien, die für eine zivilisierte Gesellschaft wesentlich sind. Der Papst lädt die Kinder und Jugendlichen ein, in der Kirche eine Möglichkeit für eine lebensspendende Begegnung mit Christus zu finden und sich nicht von den Verfehlungen einiger Priester und Ordensleute bremsen zu lassen. Er erkennt den Beitrag der Jugend für die Erneuerung der Kirche. Er redet auch den Priestern und Ordensleuten zu, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern ganz im Gegenteil ihre Hingabe in den jeweiligen Apostolaten zu erneuern, indem sie in Übereinstimmung mit ihren Oberen wirken, um so der Kirche in Irland durch ihr lebendiges Zeugnis für das Erlösungswerk des Herrn neues Leben und neue Dynamik zu schenken. Indem sich der Papst an die irischen Bischöfe wendet, benennt er die schwerwiegenden Fehlurteile und das Scheitern des Führungsverhaltens vieler von ihnen, weil sie die kirchenrechtlichen Vorgehensweisen in Reaktion auf die Mißbrauchsanzeigen nicht in korrekter Weise anwendeten. Obwohl es oft schwierig erschien, zu wissen, wie man komplexen Situationen begegnet, bleibt die Tatsache bestehen, daß schwerwiegende Fehler gemacht wurden und daß die Bischöfe in der Konsequenz an Glaubwürdigkeit verloren haben. Der Papst ermutigt sie, ihre Anstrengungen mit Entschiedenheit fortzusetzen, um Abhilfe für die Fehler der Vergangenheit zu schaffen und um jegliche Wiederholung derselben zu verhindern, indem sie das Kirchenrecht voll und ganz anwenden und mit den zivilen Behörden in den Bereichen ihrer Kompetenz zusammenarbeiten. Er lädt außerdem die Bischöfe ein, sich Mühe zu geben, heilig zu werden, sich als Vorbilder zu präsentieren sowie die Priester und die Gläubigen zu ermutigen, ihren Teil im Leben und in der Sendung der Kirche zu leisten. Schließlich schlägt der Papst einige konkrete Schritte vor, um die Erneuerung der Kirche in Irland anzuspornen. Er bittet alle, ihre Freitagsopfer für die Dauer eines Jahres zur Wiedergutmachung der Sünden des Mißbrauchs, die geschehen sind, aufzuopfern. Er empfiehlt die häufige Inanspruchnahme des Sakraments der Versöhnung und der Praxis der Eucharistischen Anbetung. Er verkündet seine Absicht, eine Apostolische Visitation einiger Diözesen, Ordensgemeinschaften und Seminarien unter Einbeziehung der Römischen Kurie anzuberaumen, und er schlägt eine landesweite Mission für Bischöfe, Priester und Ordensleute in Irland vor. In diesem auf der ganzen Welt den Priestern gewidmeten Jahr stellt er den heiligen Johannes Maria Vianney als Modell und Fürsprecher für einen neu belebten priesterlichen Dienst in Irland vor Augen. Nachdem der Papst all jenen gedankt hat, die sich mit Eifer gemüht haben, das Problem entschieden anzugehen, schließt er mit dem Vorschlag eines Gebetes für die Kirche in Irland, das von allen Gläubigen verwendet werden kann, um die Gnade der Heilung und der Erneuerung in dieser schwierigen Zeit zu erbitten. III. [ENDE DER OFFIZIELLEN ZUSAMMENFASSUNG DES HIRTENBRIEFES UND BEGINN DES VOLLSTÄNDIGEN HIRTENBRIEFS DES HEILIGEN VATERS BENEDIKT XVI. AN DIE KATHOLIKEN IRLANDS IN EIGENER ÜBERSETZUNG:] 1. Liebe Brüder und Schwestern der Kirche in Irland, mit großer Sorge schreibe ich Euch als Hirt der universalen Kirche. Wie Ihr wurde auch ich von den erschienenen Meldungen über den Mißbrauch an Kindern und verletzlichen jungen Menschen durch Glieder der Kirche in Irland - insbesondere durch Priester und Ordensleute - zutiefst beunruhigt. Ich kann nicht anders als die Bestürzung und das Gefühl von Verrat teilen, das viele von Euch durchgemacht haben, im Zuge der Kenntnis dieser sündhaften und verbrecherischen Taten und im Zuge der Kenntnis der Art und Weise, wie diesen von Seiten der Autoritäten der Kirche begegnet wurde, . Wie Ihr wißt, habe ich kürzlich die irischen Bischöfe zu einem Treffen hier nach Rom eingeladen, damit sie über deren Handhabung dieser Angelegenheiten in der Vergangenheit Rechenschaft geben und die Schritte aufzeigen, die sie unternommen haben, um dieser schwerwiegende Situation zu begegnen. Gemeinsam mit leitenden Beamten der Römischen Kurie hörte ich an, was sie sowohl einzeln als auch als Gruppe zu sagen hatten, wobei sie eine Analyse der begangenen Fehler und der daraus gelernten Lektionen und eine Beschreibung der jetzt geltenden Programme und Ordnungen vorlegten. Unsere Gespräche waren offen und konstruktiv. Ich bin zuversichtlich, daß nun die Bischöfe im Ergebnis in einer stärkeren Position sind, um die Arbeit zur Behebung früherer Ungerechtigkeiten voranzubringen und die mit dem Mißbrauch Minderjähriger verbundenen weiter gefächerten Fragestellungen anzugehen, auf einem Weg, der den Forderungen der Gerechtigkeit und den Lehren des Evangeliums entspricht. 2. Von meinem Amte her habe ich angesichts der Schwere dieser Vergehen und angesichts der oftmals unangemessenen Reaktion darauf seitens der kirchlichen Autoritäten in Eurem Land entschieden, diesen Hirtenbrief zu schreiben, um meine Verbundenheit mit Euch auszudrücken und einen Weg der Heilung, der Erneuerung und der Wiedergutmachung vorzuschlagen. Es ist wahr, daß das Problem des Kindesmißbrauchs weder ein spezifisches Problem Irlands noch der Kirche ist, wie viele in Eurem Land betont haben. Nichts desto trotz besteht die Aufgabe, die Ihr jetzt zu bewältigen habt, darin, die Mißbrauchsproblematik anzugehen, die in der katholischen Gemeinschaft Irlands entstanden ist, und zwar mit Mut und Bestimmtheit. Niemand kann sich vorstellen, daß diese schmerzhafte Situation rasch gelöst werden kann. Echter Fortschritt wurde gemacht, aber es bleibt noch viel mehr zu tun. Durchhaltevermögen und Gebet sind nötig, verbunden mit großem Vertrauen auf die heilende Kraft der Gnade Gottes. Gleichzeitig muß ich auch meiner Überzeugung Ausdruck verleihen, daß die Kirche in Irland zur Genesung von dieser schmerzlichen Wunde zuerst vor dem Herrn und vor anderen die gegen wehrlose Kinder verübten schweren Sünden anerkennen muß. Eine solche Erkenntnis, verbunden mit ernsthafter Reue wegen des diesen Opfern und ihren Familien zugefügten Schadens, muß zu einer gemeinsamen Anstrengung führen, um den Schutz der Kinder vor ähnlichen Verbrechen in der Zukunft sicher zu stellen. Während Ihr die Herausforderungen dieser Stunde annehmt, bitte ich Euch, an den "Felsen, aus dem ihr gehauen seid" (Jes 51,1), zu denken. Bedenkt die großherzigen und oft heroischen Leistungen, die von vergangenen Generationen irischer Männer und Frauen für die Kirche und die ganze Menschheit hervorgebracht wurden, und laßt dies den Ansporn sein für ehrliche Selbstprüfung und für ein engagiertes Programm kirchlicher und persönlicher Erneuerung. Es ist mein Gebet, daß die Kirche in Irland, unterstützt von der Fürsprache ihrer vielen Heiligen und gereinigt durch Buße, die gegenwärtige Krise überwinden und erneut eine überzeugende Künderin der Wahrheit und der Güte des allmächtigen Gottes werde, die sich in Seinem Sohn Jesus Christus manifestiert haben. 3. Historisch gesehen haben sich die Katholiken Irlands als äußerst wirksam für das Gute in der Heimat und außerhalb erwiesen. Keltische Mönche wie der heilige Kolumban haben das Evangelium in Westeuropa verbreitet und die Fundamente mittelalterlicher Klosterkultur gelegt. Die aus dem christlichen Glauben erwachsenen Ideale von Heiligkeit, Liebe und transzendenter Weisheit fanden Ausdruck im Bau von Kirchen und Klöstern sowie in der Errichtung von Schulen, Bibliotheken und Spitälern, die alle halfen, die geistliche Identität Europas zu festigen. Diese irischen Missionare gewannen ihre Stärke und Inspiration aus dem festen Glauben, aus der starken Leitung und aus den guten Sitten der Kirche in ihrem Mutterland. Vom 16. Jahrhundert an machten die Katholiken in Irland eine lange Periode der Verfolgung durch, währenddessen sie darum kämpften, die Flamme des Glaubens unter gefährlichen und schwierigen Umständen am Leben zu erhalten. Der heilige Oliver Plunkett, der Märtyrererzbischof von Armagh, ist das berühmteste Beispiel einer Schar von mutigen Söhnen und Töchtern Irlands, die bereit waren, ihr Leben aus Treue zum Evangelium hinzugeben. Nach der katholischen Emanzipation war die Kirche frei, wiederum zu wachsen. Familien und zahllose Einzelpersonen, die den Glauben in Zeiten der Prüfung bewahrt hatten, wurden zum Katalysator für das große Wiederaufleben des irischen Katholizismus im 19. Jahrhundert. Die Kirche bot insbesondere für die Armen Bildung und leistete dadurch einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft Irlands. Zu den Früchten der neuen katholischen Schulen zählte eine Zunahme der Berufungen: Generationen missionarischer Priester, Schwestern und Brüder verließen ihr Heimatland, um auf jedem Kontinent zu dienen, besonders in der englischsprachigen Welt. Sie fielen nicht nur wegen ihrer großen Anzahl auf, sondern wegen der Stärke ihres Glaubens und wegen der Beständigkeit im seelsorglichen Dienst. Viele Diözesen, besonders in Afrika, Amerika und Australien, profitierten von der Präsenz irischer Geistlicher und Ordensleute, die das Evangelium verkündeten und Pfarreien, Schulen und Universitäten, Kliniken und Spitäler errichteten, welche sowohl den Katholiken als auch der Gesamtgemeinschaft dienten, mit besonderem Augenmerk auf die Bedürfnisse der Armen. In fast jeder Familie in Irland hat es jemanden gegeben – einen Sohn oder eine Tochter, eine Tante oder einen Onkel - der sein oder ihr Leben der Kirche gewidmet hat. Irische Familien achten und schätzen mit Recht ihre Angehörigen, die ihre Leben Christus geweiht haben und das Geschenk des Glaubens mit anderen teilen sowie diesen Glauben lebendig werden lassen im Liebesdienst an Gott und dem Nächsten. 4. In den vergangenen Jahrzehnten mußte jedoch die Kirche in Eurem Land neuen und ernsthaften Herausforderungen für den Glauben entgegentreten, die von der raschen Transformation und Säkularisierung der irischen Gesellschaft herrührten. Ein rasanter sozialer Wandel war zu verzeichnen, der sich oft negativ auf die traditionelle Verbundenheit des Volkes mit der katholischen Lehre und den katholischen Werten auswirkte. All zu oft wurden der Empfang der Sakramente und die Volksfrömmigkeit, die den Glauben stärken und sein Wachsen ermöglichen, vernachlässigt, nämlich die regelmäßige heilige Beichte, das tägliche Gebet und jährliche Einkehrtage. Ausgewirkt hat sich auch die während dieser Zeit zum Teil ebenso bei Priestern und Ordensleuten gegebene Tendenz, Denkweisen und die Beurteilung säkularer Realitäten ohne ausreichenden Bezug zum Evangelium zu übernehmen. Das vom II. Vatikanischen Konzil vorgelegte Erneuerungsprogramm wurde manchmal mißdeutet, und tatsächlich war es im Licht der tiefgehenden sozialen Veränderungen gar nicht leicht, zu wissen, wie man es am besten umsetzen sollte. Insbesondere gab es eine gutgemeinte, aber irrige Tendenz, strafrechtliche Vorgehensweisen bei kirchenrechtlich irregulären Zuständen zu vermeiden. Es ist dieser umfassende Kontext, im Rahmen dessen wir versuchen müssen, dem beunruhigenden Problem des sexuellen Mißbrauchs von Kindern auf den Grund zu kommen, das in einem nicht geringen Ausmaß zur Schwächung des Glaubens und zum Verlust des Respekts für die Kirche und ihre Lehren beigetragen hat. Nur mit einer sorgfältigen Prüfung der vielen Faktoren, die das Entstehen der gegenwärtigen Krise bewirkten, kann eine hellsichtige Diagnose ihrer Gründe vorgenommen und können wirkungsvolle Abhilfen gefunden werden. Zweifelslos können wir zu den entscheidenden Faktoren hinzuzählen: unangemessene Verfahren zur Feststellung der Eignung von Kandidaten für das Priesteramt und das Ordensleben; eine unzureichende menschliche, sittliche, intellektuelle und geistliche Ausbildung in Seminarien und Noviziaten; eine Tendenz in der Gesellschaft, den Klerus und andere Autoritätspersonen geschönt zu betrachten, und eine verfehlte Sorge um den Ruf der Kirche und zur Skandalvermeidung, welche die Auferlegung geltender kirchenrechtlicher Strafen und den Schutz der Würde jeder Person vereitelte. Akuter Handlungsbedarf ist gegeben, um diesen Einflußfaktoren zu begegnen, die so tragische Konsequenzen in den Leben von Opfern und ihrer Familien nach sich gezogen und das Licht des Evangeliums in einem solchen Grade verdunkelt haben, wie es nicht einmal in den Jahrhunderten der Verfolgung gelungen war. 5. Bei verschiedenen Anlässen habe ich seit meiner Erwählung auf den Stuhl Petri Opfer sexuellen Mißbrauchs getroffen, wozu ich gewiß in der Zukunft weiterhin bereit bin. Ich saß bei ihnen, habe ihre Geschichten angehört, das von ihnen Erlittene registriert und habe mit ihnen und für sie gebetet. Während meines Pontifikates bat ich die Bischöfe von Irland in meiner Sorge, auf diese Materie einzugehen, "die Wahrheit über das ans Licht zu bringen, was in der Vergangenheit geschehen ist, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit sich derartiges nicht mehr wiederholt, zu gewährleisten, daß die Prinzipien der Gerechtigkeit vollkommen geachtet werden und, vor allem, den Opfern und all jenen Heilung zu bringen, die von diesen ungeheuerlichen Verbrechen betroffen sind." (Ansprache von Papst Benedikt XVI. an die Bischöfe aus Irland anläßlich ihres Ad-Limina-Besuches vom 28. Oktober 2006) Mit diesem Brief möchte ich Euch alle als Volk Gottes in Irland aufrufen, die dem Leib Christi zugefügten Wunden und die manchmal schmerzhaften Heilmittel zu bedenken, die nötig sind, die Wunden zu verbinden und zu heilen, und die Notwendigkeit von Einheit, Liebe und gegenseitiger Unterstützung in dem langfristigen Prozeß der Wiederherstellung und der kirchlichen Erneuerung zu erkennen. Ich wende mich nun an Euch mit Worten, die aus meinem Herzen kommen, und ich wünsche, jede(n) von Euch individuell und Euch alle als Brüder und Schwestern im Herrn anzusprechen. 6. An die Opfer des Mißbrauchs und an deren Familien Ihr habt schmerzlichst gelitten, was mir aufrichtig leid tut. Ich weiß, daß nichts das Unrecht ungeschehen machen kann, was Euch zugestoßen ist. Euer Vertrauen wurde verraten, und Eure Würde wurde verletzt. Viele von Euch erfuhren dann, als Ihr ausreichend Mut gefunden hattet, über das zu sprechen, was Euch zugestoßen war, daß niemand zuhören würde. Diejenigen von Euch, die in Internaten mißbraucht wurden, müssen gefühlt haben, daß es kein Entrinnen aus Euren Leiden gab. Man kann verstehen, daß Ihr es als sehr schwierig empfindet, zu vergeben, oder mit der Kirche versöhnt zu werden. In ihrem Namen drücke ich offen die Scham und die Gewissensbisse aus, die wir alle fühlen. Gleichzeitig bitte ich Euch, die Hoffnung nicht zu verlieren. Es ist in der Gemeinschaft der Kirche, daß wir der Person Jesu Christi begegnen, der selbst ein Opfer von Ungerechtigkeit und Sünde war. Wie Ihr trägt Er immer noch die Wunden Seines eigenen ungerechten Leidens. Er versteht die Tiefen Eures Leides und dessen fortdauernde Auswirkung auf Eure Leben und Eure Beziehungen, eingeschlossen Eure Beziehung zur Kirche. Ich weiß, daß es einigen von Euch sogar schwer fällt, die Türen einer Kirche zu öffnen, nach allem, was passiert ist. Aber Christi eigene Wunden, verwandelt durch Seine erlösenden Leiden, sind genau die Mittel, durch welche die Macht des Bösen gebrochen wird und wir zu neuem Leben und zu neuer Hoffnung geboren werden. Ich glaube zutiefst, daß die heilende Kraft Seiner selbstaufopfernden Liebe sogar in den dunkelsten und hoffnungslosesten Situationen Befreiung und die Verheißung eines Neuanfangs bringt. Indem ich zu Euch als Hirte spreche, der sich um das Wohl aller Kinder Gottes sorgt, bitte ich Euch demütig, dem nachzusinnen, was ich gesagt habe. Ich bete, daß Ihr durch das Näherkommen zu Christus und durch die Teilnahme am Leben Seiner Kirche - einer durch Buße gereinigten und durch seelsorgliche Liebe erneuerten Kirche - die unermeßliche Liebe Christi für jede(n) von Euch neu entdecken könnt. Ich vertraue darauf, daß Ihr auf diesem Weg Versöhnung, tiefe innere Heilung und Frieden finden könnt. 7. An die Priester und Ordensleute, die Kinder mißbraucht haben Ihr habt das Vertrauen verraten, das von unschuldigen jungen Menschen und ihren Eltern in Euch gesetzt wurde. Ihr müßt Euch dafür vor dem allmächtigen Gott und vor rechtmäßig konstituierten Gerichten verantworten. Ihr habt die Wertschätzung der Menschen Irlands eingebüßt und über Eure Mitbrüder Schande und Unehre gebracht. Jene unter Euch, die Priester sind, verletzten die Heiligkeit des Sakramentes der Heiligen Weihen, durch das sich Christus selbst in uns und unseren Handlungen gegenwärtig macht. Gemeinsam mit dem Opfern zugefügten immensen Leid wurde der Kirche und dem öffentlichen Bild des Priestertums und des Ordensleben großer Schaden zugefügt. Ich bitte Euch dringend, Euer Gewissen zu erforschen, Verantwortung für die von Euch begangenen Sünden zu übernehmen und demütig Eure Reue zu bekunden. Aufrichtige Buße öffnet das Tor für Gottes Vergebung und die Gnade echter Besserung. Indem Ihr Gebete und Bußen für jene aufopfert, denen Ihr Unrecht angetan habt, sollt Ihr für Eure Handlungen persönlich Sühne leisten. Christi erlösendes Opfer hat die Kraft, sogar die schwersten Sünden zu vergeben und aus dem schlimmsten Frevel Gutes erwachsen zu lassen. Gleichzeitig verpflichtet uns Gottes Gerechtigkeit dazu, Rechenschaft für unsere Handlungen abzulegen und nichts zu vertuschen. Anerkennt offen Eure Schuld, unterwerft Euch den Forderungen der Gerechtigkeit, aber verliert nicht die Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes. 8. An die Eltern Ihr wurdet schwerwiegend erschüttert, als Ihr von den furchtbaren Dingen erfuhrt, die dort geschahen, wo die sicherste und am meisten geschützte Umgebung aller Orte sein sollte. In der Welt von heute ist es nicht leicht, ein Heim zu errichten und Kinder großzuziehen. Sie verdienen es, in Sicherheit aufzuwachsen, geliebt und geschätzt sowie mit einer starken Wahrnehmung ihrer Identität und ihres Wertes. Sie haben ein Recht darauf, daß sie anhand authentischer moralischer Werte erzogen werden, die in der Würde der menschlichen Person verwurzelt sind, daß sie von der Wahrheit unseres katholischen Glaubens inspiriert werden und daß sie Wege des Verhaltens und Handelns erlernen, die zu einer gesunden Wertschätzung für sich selbst und zu dauerhaftem Glück führen. Diese edle, aber anspruchsvolle Aufgabe ist zuallererst Euch anvertraut, ihren Eltern. Ich bitte Euch dringend, Eure Rolle bei der Gewährleistung der bestmöglichen Fürsorge für die Kinder sowohl zu Hause als auch in der Gesellschaft wahrzunehmen, während die Kirche ihrerseits fortfährt, die in den letzten Jahren beschlossenen Maßnahmen umzusetzen, um junge Menschen im Umfeld von Pfarreien und Schulen zu schützen. Indem Ihr Eure unerläßlichen Verantwortlichkeiten wahrnehmt, könnte Ihr versichert sein, daß ich Euch nahe bleibe und Euch die Unterstützung in meinen Gebeten gewähre. 9. An die Kinder und Jugendlichen Irlands Ich möchte Euch ein besonderes Wort der Ermutigung schenken. Eure Erfahrung in der Kirche ist ganz anders als jene Eurer Eltern und Großeltern. Die Welt hat sich weitgehend geändert, seit sie in Eurem Alter waren. Nichts desto trotz sind alle Menschen - in jeder Generation - berufen, denselben Weg durchs Leben zu gehen, welche auch immer die Umstände sein mögen. Wir sind alle empört über die Sünden und Fehlleistungen mancher Glieder der Kirche, besonders jener, die eigens dazu berufen wurden, um junge Menschen anzuleiten und ihnen zu dienen. Aber es ist in der Kirche, wo Ihr Jesus Christus finden werdet, der derselbe ist, gestern, heute und in Ewigkeit (vgl. Hebr 13,8). Er liebt Euch und hat sich selbst am Kreuz für Euch hingegeben. Sucht eine persönliche Beziehung zu Ihm innerhalb der Gemeinschaft Seiner Kirche, denn Er wird Euer Vertrauen nie verraten! Er allein kann Eure tiefsten Sehnsüchte erfüllen und Euren Leben den vollsten Sinn geben, indem Er diese zum Dienst an anderen ausrichtet. Haltet Eure Augen auf Jesus und Seine Güte gerichtet und bewahrt die Flamme des Glaubens in Eurem Herzen. Gemeinsam mit Euren katholischen Mitchristen in Irland setze ich darauf, daß Ihr gläubige Jünger unseres Herrn seid und daß Ihr Euren so nötig gebrauchten Enthusiasmus und Idealismus in den Wiederaufbau und in die Erneuerung unserer geliebten Kirche einbringt. 10. An die Priester und die Ordensleute in Irland Wir alle leiden infolge der Sünden unserer Mitbrüder, die das heilig zu haltende Vertrauen verraten haben oder dabei versagt haben, mit Mißbrauchsvorwürfen gerecht und verantwortungsvoll umzugehen. Im Blick auf die Entrüstung und Empörung, die davon provoziert wurden, und zwar nicht nur unter den Laienchristen, sondern auch bei Euch selbst und in Euren Gemeinschaften geweihten Lebens, fühlen sich viele von Euch persönlich entmutigt, ja sogar verlassen. Mir ist ebenfalls bewußt, daß Ihr in den Augen mancher Leute alleine durch Eure Zugehörigkeit (zum geweihten Stand) als befleckt geltet und daß Ihr so betrachtet werdet, als ob Ihr irgendwie für die Untaten anderer verantwortlich wäret. In dieser schmerzlichen Zeit möchte ich die Hingabe Eurer priesterlichen und geweihten Existenzen und Eurer Apostolatsanstrengungen anerkennen, und ich lade Euch ein, Euren Glauben an Christus, Eure Liebe zu Seiner Kirche und Euer Vertrauen in die Verheißung des Evangeliums im Hinblick auf die Erlösung, die Vergebung und die innere Erneuerung neu zu bekräftigen. Auf diesem Weg werdet Ihr für alle aufzeigen, daß wo die Sünde mächtig wird, die Gnade jedoch übergroß wird (vgl. Röm 5,20). Ich weiß, daß viele von Euch enttäuscht, verunsichert und verärgert sind über den Weg, wie diese Dinge von manchen Eurer Oberen abgehandelt wurden. Nichts desto trotz ist es existentiell wichtig, daß Ihr eng mit jenen im Amte zusammenarbeitet und mithelft, sicherzustellen, daß die zur Bewältigung der Krise beschlossenen Maßnahmen wirklich dem Evangelium gemäß, gerecht und wirksam seien. Vor allem bitte ich Euch dringend, mehr denn je und ganz klar Männer und Frauen des Gebetes zu werden, indem Ihr den Weg der Umkehr, der Reinigung und der Versöhnung mutig begeht. Auf diesem Weg wird die Kirche in Irland neues Leben und neue Vitalität aus Eurem Zeugnis für die in Euren Leben sichtbar gewordene erlösende Kraft des Herrn gewinnen. 11. An meine Brüder im Bischofsamt Es kann nicht geleugnet werden, daß einige von Euch und Eurer Vorgänger bei der Anwendung der seit langem geltenden Normen des Kirchenrechts gegenüber dem Verbrechen des Kindesmißbrauchs zeitweise schwer versagt haben. Schwere Fehler wurden bei der Behandlung von Vorwürfen gemacht. Ich nehme zur Kenntnis, wie schwierig es war, das Ausmaß und die Komplexität des Problems zu begreifen, zuverlässige Informationen zu erhalten und die richtigen Entscheidungen im Lichte widersprüchlicher Expertenratschläge zu treffen. Nichts desto trotz muß zugegeben werden, daß schwerwiegende Beurteilungsfehler und Versäumnisse im Führungsverhalten gemacht wurden. Dies alles hat Eure Glaubwürdigkeit und Euer Wirkungsvermögen ernsthaft unterminiert. Ich schätze Eure vorgenommenen Anstrengungen, um vergangene Fehler zu korrigieren und sicherzustellen, daß sie nicht wieder passieren. Abgesehen von der vollständigen Umsetzung der Normen des Kirchenrechts im Umgang mit Fällen von Kindesmißbrauch setzt bitte Eure Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden in den Bereichen ihrer Kompetenz fort. Natürlich sollen die Ordensoberen es genauso halten. Sie haben ebenfalls an kürzlich stattgefundenen Gesprächen hier in Rom teilgenommen unter dem Blickwinkel, eine klare und stimmige Behandlung dieser Dinge zu etablieren. Es ist zwingend erforderlich, daß die Kindesschutzbestimmungen der Kirche in Irland kontinuierlich überprüft und aktualisiert werden und daß sie in Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht vollständig und unbefangen angewendet werden. Nur entschiedenes Handeln, getragen von kompletter Aufrichtigkeit und Transparenz, wird den Respekt und den guten Willen der Iren gegenüber der Kirche wiederherstellen, der wir unsere Leben gewidmet haben. Dies muß Euch zuallererst aus Eurer eigenen Selbstprüfung, inneren Reinigung und geistlichen Erneuerung aufgehen. Die Iren erwarten von Euch zu Recht, daß Ihr Männer Gottes sei, daß Ihr heilig seid, daß Ihr einfach lebt und daß Ihr an jedem Tag der persönlichen Umkehr folgt. Mit den Worten des heiligen Augustinus seid Ihr für sie Bischöfe; doch gemeinsam mit ihnen seid Ihr berufen, Nachfolger Christi zu sein (vgl. Sermon 340,1). Deshalb ermahne ich Euch, Eure Haltung der Verantwortung vor Gott zu erneuern, um in der Solidarität mit Eurem Volk zu wachsen und Eure pastorale Sorge für alle Glieder Eurer Herde zu vertiefen. Im besonderen bitte ich Euch, den geistlichen und sittlichen Lebensweisen jedes einzelnen Eurer Priester Aufmerksamkeit zu schenken. Gebt ihnen durch Eure eigenen Leben ein Beispiel, seid ihnen nahe, hört deren Sorgen an, bietet ihnen Ermutigung in dieser schwierigen Zeit und spornt die Flamme ihrer Liebe zu Christus und deren Hingabe im Dienst an den Brüdern und Schwestern an. Auch die Laienchristen sollen ermutigt werden, ihren ihnen zukommenden Teil im Leben der Kirche wahrzunehmen. Sorgt dafür, daß sie auf solche Weise geformt werden, daß sie inmitten der modernen Gesellschaft unmißverständlich und überzeugend Rechenschaft vom Evangelium geben (vgl. 1 Petr 3,15) und voller am Leben und an der Sendung der Kirche teilnehmen können. Dies wird umgekehrt Euch helfen, wieder glaubwürdige Führungspersonen und Zeugen der erlösenden Wahrheit Christi zu werden. 12. An alle Gläubigen Irlands Die Erfahrung eines jungen Menschen mit der Kirche sollte immer fruchtbar werden in einer persönlichen lebensspendenden Begegnung mit Jesus Christus innerhalb einer liebenden und sorgenden Gemeinschaft. In diesem Umfeld sollten junge Menschen ermutigt werden, in ihre volle menschliche und geistliche Existenz hineinzuwachsen, die hohen Ideale der Heiligkeit, der Liebe und der Wahrheit anzustreben und aus den Reichtümern der großen religiösen und kulturellen Tradition Inspiration zu gewinnen. In unserer zunehmend säkularisierten Gesellschaft, in der sogar wir Christen es oft schwer finden, über die transzendente Dimension unserer Existenz zu sprechen, müssen wir neue Wege finden, jungen Menschen die Schönheit und den Reichtum der Freundschaft mit Jesus Christus in der Gemeinschaft der Kirche weiterzugeben. Bei der Bewältigung der gegenwärtigen Krise sind Maßnahmen zur gerechten Behandlung individueller Verbrechen existentiell wichtig, doch für sich alleine sind diese nicht genug: eine neue Vision ist nötig, um gegenwärtige und zukünftige Generationen zu inspirieren, dem Geschenk unseres gemeinsamen Glaubens Wertschätzung entgegen zu bringen. Indem Ihr den vom Evangelium markierten Weg beschreitet, die Gebote haltet und Eure Leben immer mehr in Übereinstimmung mit der Person Jesu Christi bringt, werdet Ihr gewiß die tiefgehende Erneuerung erfahren, die wir in dieser Stunde so dringend brauchen. Ich lade Euch alle ein, entlang dieses Weges durchzuhalten. 13. Liebe Brüder und Schwestern in Christus, die tiefe Sorge für Euch alle in dieser schmerzvollen Zeit, in der die Zerbrechlichkeit des Zustandes des Menschen so kraß vor Augen geführt wurde, hat mich zum Wunsch veranlaßt, diese Worte der Ermutigung und der Unterstützung anzubieten. Ich hoffe, daß Ihr sie als Zeichen meiner geistlichen Nähe und meines Vertrauens in Eure Fähigkeit empfangen werdet, den Herausforderungen der gegenwärtigen Stunde zu begegnen, indem Ihr erneuerte Inspiration und Stärke aus Irlands noblen Traditionen der Treue zum Evangelium, der Ausdauer im Glauben und der Beharrlichkeit im Streben nach Heiligkeit gewinnt. In Solidarität mit Euch allen bete ich in tiefer Aufrichtigkeit, daß die quälenden Wunden so vieler Einzelpersonen und Familien durch Gottes Gnade geheilt werden mögen und daß die Kirche in Irland eine Zeit der Wiedergeburt und der geistlichen Erneuerung erfahre. 14. Ich möchte Euch nun einige konkrete Initiativen empfehlen, um der Situation zu begegnen. Am Ende meines Treffens mit den Bischöfen Irlands habe ich darum gebeten, daß die Fastenzeit dieses Jahres als Zeit des Gebetes um das Ausgießen der Barmherzigkeit Gottes und der Gaben der Heiligkeit sowie der Kraft des Heiligen Geistes für die Kirche in Eurem Land angesehen werde. Jetzt lade ich Euch alle ein, Eure Freitagsopfer während eines ganzen Jahres von jetzt an bis zum Osterfest des Jahres 2011 in diesem Sinne aufzuopfern. Ich bitte Euch, Euer Fasten, Euer Gebet, Eure Lesung der Heiligen Schrift und Eure Werke der Barmherzigkeit aufzuopfern, um die Gnade der Heilung und der Erneuerung für die Kirche in Irland zu erhalten. Ich ermutige Euch, das Sakrament der Versöhnung wieder zu entdecken und Euch häufiger die verwandelnde Kraft seiner Gnade zu sichern. Besondere Aufmerksamkeit muß auch der Eucharistischen Anbetung zuteil werden, und in jeder Diözese sollen eigens zu diesem Zweck bestimmte Kirchen oder Kapellen bestehen. Ich bitte darum, daß die Pfarreien, die Seminarien, die Ordenshäuser und die Klöster Zeiten der Eucharistischen Anbetung organisieren, sodaß alle die Möglichkeit erhalten, daran teilzunehmen. Mit dem inbrünstigen Gebet angesichts der wirklichen Gegenwart des Herrn könnt Ihr die Genugtuung leisten für die Sünden des Mißbrauchs, die so viel Schaden zugefügt haben, und gleichzeitig die Gnade eines erneuerten Mutes und eines tieferen Verständnisses der Sendung aller Bischöfe, Priester, Ordensleute und Gläubigen erflehen. Ich vertraue darauf, daß dieses Programm zu einer Neugeburt der Kirche in Irland führen werde, in der Fülle der Wahrheit über Gott selbst, denn es ist die Wahrheit, die uns frei macht (Joh 8,32). Nachdem ich mich beraten habe lassen und der Frage im Gebet nachgegangen bin, beabsichtige ich nun außerdem, in einigen Diözesen Irlands sowie auch in Seminarien und Ordensgemeinschaften eine Apostolische Visitation anzuberaumen. Die Päpstliche Visitation versteht sich als Hilfe für die örtliche Teilkirche in ihrem Weg der Erneuerung und wird in Kooperation mit den kompetenten Ämtern der Römischen Kurie und mit der Irischen Bischofskonferenz festgelegt werden. Die Einzelheiten werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben. Ich schlage darüber hinaus vor, daß auf nationaler Ebene eine Mission für alle Bischöfe, Priester und Ordensleute gehalten werde. Ich hege die Hoffnung, indem Ihr aus der Kompetenz erfahrener Prediger und Exerzitienmeister aus Irland und von auswärts schöpft und die konziliaren Dokumente, die liturgischen Riten der heiligen Weihe und der Ordensprofeß sowie das aktuelle päpstliche Lehramt neu durchgeht, daß Ihr zu einer tieferen Wertschätzung Eurer jeweiligen Berufungen gelangt, um so die Wurzeln Eures Glaubens in Jesus Christus neu zu entdecken und tiefgehend aus den Quellen lebendigen Wassers zu trinken, das Er Euch durch Seine Kirche anbietet. In diesem Jahr für die Priester empfehle ich Euch ganz besonders die Person des heiligen Johannes Maria Vianney, der ein derart umfassendes Verständnis vom Geheimnis des Priestertums hatte. "Der Priester", so schrieb er, "besitzt den Schlüssel zu den himmlischen Schätzen: er ist es, der die Tür öffnet; er ist der Haushälter des lieben Gottes; der Verwalter seiner Güter." Der Pfarrer von Ars verstand gut, wie sehr eine Gemeinschaft gesegnet sei, wenn sie von einem guten und heiligen Priester betreut werde: "Ein guter Hirte, ein Hirte nach dem Herzen Gottes, ist der größte Schatz, den der liebe Gott einer Pfarrei gewähren kann, und eines der wertvollsten Geschenke der göttlichen Barmherzigkeit.ein guter Hirte, ein Hüter nach Gottes Herzen, ist der größte Schatz, den Gott einer Gemeinde schenken kann und eines der wertvollsten Geschenke göttlicher Gnade." Auf die Fürsprache des heiligen Johannes Maria Vianney möge das Priestertum in Irland neu belebt werden, und möge die ganze Kirche in Irland mehr Hochschätzung des großen Geschenkes des priesterlichen Dienstes entwickeln. Ich ergreife die Gelegenheit, all jenen im voraus zu danken, die bei der Arbeit zur Organisation der Apostolischen Visitation und der Mission beteiligt sein werden, und genauso den vielen Männern und Frauen in ganz Irland zu danken, die bereits für die Sicherheit der Kinder im kirchlichen Umfeld arbeiten. Seit dem Zeitpunkt, als die Schwere und das Ausmaß des Problems des Kindesmißbrauchs erstmals vollständig erfaßt zu werden begann, hat die Kirche in vielen Teilen der Welt einen enormen Arbeitsumfang auf sich genommen, um es anzugehen und abzustellen. Während keine Anstrengung zur Verbesserung und Adaptierung der bestehenden Vorgehensweisen gemieden werden sollte, bin ich durch die Tatsache ermutigt, daß die von den örtlichen Teilkirchen ergriffenen aktuellen Schutzmaßnahmen in manchen Teilen der Welt als ein vorbildhaftes Modell für andere Institutionen angesehen werden. Ich möchte diesen Brief mit einem besonderen Gebet für die Kirche in Irland beschließen, das ich Euch mit der Sorge eines Vaters für seine Kinder und in der Liebe eines Mitchristen sende, der von dem schockiert und verletzt ist, was in unserer geliebten Kirche passiert ist. Wenn Ihr dieses Gebet in Euren Familien, Pfarreien und Gemeinschaften verwendet, möge die allerseligste Jungfrau Maria jeden von Euch beschützen und anleiten zu einer engeren Verbindung mit ihrem Sohn, dem Gekreuzigten und Auferstandenen. In tiefer Zuneigung und unverbrüchlichem Vertrauen auf Gottes Verheißungen gewähre ich Euch allen von Herzen meinen Apostolischen Segen als ein Unterpfand der Stärke und des Friedens im Herrn. Aus dem Vatikan, am 19. März 2010, am Hochfest des heiligen Josef BENEDICTUS PP. XVI Gebet für die Kirche in Irland (eigene Übersetzung:) Gott unserer Väter, erneuere uns im Glauben, der für uns Leben und Rettung ist, in der Hoffnung, die Vergebung und innere Erneuerung verheißt, in der Liebe, die unsere Herzen reinigt und öffnet, daß wir Dich lieben und in Dir alle unsere Brüder und Schwestern. Herr Jesus Christus, möge die Kirche in Irland ihren uralten Einsatz für die Formung unserer Jugendlichen auf dem Weg der Wahrheit, der Güte, der Heiligkeit und des großzügigen Dienstes an der Gesellschaft erneuern. Heiliger Geist, Tröster, Anwalt und Lenker, inspiriere einen neuen Frühling an Heiligkeit und apostolischem Eifer für die Kirche in Irland. Mögen unsere Traurigkeit und unsere Tränen, unsere ernsthafte Anstrengung, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, und unser fester Besserungsvorsatz reichhaltige Früchte der Gnade für die Vertiefung des Glaubens in unseren Familien, Pfarreien, Schulen und Gemeinschaften bewirken, zum geistlichen Fortschritt der irischen Gesellschaft und zum Wachstum in der Liebe, in der Gerechtigkeit, in der Freude und im Frieden innerhalb der gesamten Menschheitsfamilie. Dir, Allerheiligste Dreifaltigkeit, vertrauen wir uns selbst an, unsere Kinder und die Bedürfnisse der Kirche in Irland, in vollem Vertrauen auf den liebevollen Schutz Mariens, der Königin von Irland, unserer Mutter, und des heiligen Patrizius, der heiligen Brigida sowie aller Heiligen. AMEN. [ENDE DES PÄPSTLICHEN HIRTENBRIEFES VOM 19. MÄRZ 2010 IN EIGENER ÜBERSETZUNG.] Dienstag, 26. Januar 2010
DIENER GOTTES JOHANNES PAUL II. AUF ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik
in Aktuelle Predigt, News Kommentare um
19:30
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DIENER GOTTES JOHANNES PAUL II. AUF DEM WEG ZUR SELIGSPRECHUNG
Der verehrungswürdige Diener Gottes Johannes Paul II. ist auf dem Weg zur Seligsprechung und Heiligsprechung und somit zur Ehre der Altäre. Nachdem Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. die römische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse am 19. Dezember 2009 autorisiert hatte, unter anderen das Dekret über die heroischen Tugenden des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. (Karl Wojtyła, geboren am 18. Mai 1920 in Wadowice, Polen, und verstorben am 2. April 2005 in Rom) zu promulgieren, ist heute in Rom ein ganz wichtiges Buch über Johannes Paul II. vor seinem morgigen Erscheinen vorgestellt worden, unter dem Titel "Perché è santo. Il vero Giovanni Paolo II raccontato dal postulatore della causa di beatificazione" (Rizzoli, 196 Seiten: "Warum er heilig ist: der wahre Johannes Paul II., dargestellt vom Postulator des Seligsprechungsverfahrens"). Msgr. Slawomir Oder hat als amtlicher Hauptbefürworter der Seligsprechung gemeinsam mit dem Journalisten Saverio Gaeta das Werk verfaßt und somit schon vor dem Tag der Seligsprechung des verstorbenen Papstes den entscheidenden Beitrag dazu geleistet, Angriffe von "ganz links" und "ganz rechts" - um es vereinfacht zu sagen - gegen die Seligsprechung des Dieners Gottes Johannes Paul II. abzuwehren. Er zeigt damit auch exemplarisch, daß ein Postulator als "Anwalt" des Seligzusprechenden nicht nur alle Argumente und Beweise zu sammeln, sondern auch für die bessere Bekanntmachung des betreffenden Dieners Gottes zu sorgen hat.
Aus den mir vorliegenden italienischsprachigen Quellen stelle ich eine kleine Buchvorstellung zusammen und biete die wörtliche Übersetzung eines Teiles über Ali Agca. "Eines Tages sah eine der im päpstlichen Appartment beschäftigten Ordensschwestern Johannes Paul II. besonders erschöpft und vertraute ihm an, um 'Eure Heiligkeit besorgt zu sein'. 'Auch ich bin um meine Heiligkeit besorgt' war die schlagfertige Antwort des lächelnden Papstes. Jetzt, da sich der Weg des Seligsprechungsverfahrens von Karol Wojtyla seinem natürlichen Abschluß nähert, erweist sich diese Sorge als unbegründet. Seine Tugenden - Glaube, Hoffnung, Liebe; aber auch Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maßhalten; und dann noch Keuschheit, Armut, Gehorsam - haben sich in ihrer strahlenden Fülle gezeigt, dank der Zeugnisse derer, die im kanonischen Prozeß ausgesagt haben". So beginnt das Buch, das Slawomir Oder, der polnische Priester und Postulator der Seligsprechungscausa von Johannes Paul II. über den medienpräsentesten Papst der Geschichte geschrieben hat, bei dem die meisten vermeinen, schon alles über ihn zu wissen, weil sie ihn selbst gesehen hatten, persönlich gehört hatten oder viele seiner Ansprachen und Interpretationen gelesen hatten. Und doch sagte Karol Wojtyla über sich selbst: "Sie versuchen mich von außen her zu verstehen. Aber ich kann nur von innen her verstanden werden." Und nichts erkundet das Leben einer Person mehr von innen her als ein kirchenrechtlicher Seligsprechungsprozeß. So hat das Verfahren dank der in den diözesanen Erhebungen 114 zu Wort gekommenen Zeugen und unter Verwendung von im Laufe des Verfahrens aufgetauchten nicht veröffentlichten Dokumenten völlig unbekannte Aspekte ans Licht gebracht, die das ganze menschliche, spirituelle und kirchliche Leben des Papstes ganz neu ausleuchten. Im genannten Buch macht der Postulator des Verfahrens zum ersten Mal die Wahrheit über die Dokumentation der polnischen Geheimdienste bekannt, weiters den unveröffentlichten "offenen Brief" an den Attentäter Alì Agca, die Zeugnisse über die übernatürlichen Visionen des Papstes, einen unveröffentlichten Text zur Thematik eines möglichen Rücktritts aus gesundheitlichen Gründen und viele kleine unbekannte Episoden, die wie Mosaiksteine das spirituelle Profil des Dieners Gottes Karol, des Großen, erstehen lassen. Am 27. Dezember 1983 hatte Johannes Paul II. bekanntlich ein langes und intensives Gespräch mit seinem Attentäter im römischen Gefängnis von Rebibbia. Später erklärte der Papst: "Heute konnte ich meinen Attentäter treffen und ihm nochmals meine Vergebung ausdrücken, wie ich es sofort getan hatte, sobald es mir nach dem Attentat möglich war. Wir haben uns als Menschen und Brüder getroffen, und alle Geschehnisse unseres Lebens führen uns zu dieser Brüderlichkeit". Der Papst vergab Alì Agca von Anbeginn, was er der Welt schon beim Beten des Regina Coeli am 17. Mai 1981 aus dem Poliklinikum Gemelli mitteilte: "Ich bete für den Bruder, der mich getroffen hat, dem ich aufrichtig vergeben habe". Eine Haltung, die sofort symptomatischen Wert annahm und viele Gewissen erschütterte, was aus den verschiedenen Zeugnissen hervorgeht. Nicht zuletzt jenes des polnisches Generals Jaruzelski: nachdem dieser bei einem Attentat 1994 schwer verletzt worden war, entschied er, die Verantwortlichen nicht zu verfolgen, und legte dar, wie ihn das Beispiel des Papstes eingenommen hätte. Unveröffentlicht ist hingegen der "offene Brief", den der Heilige Vater am 11. September 1981 im Hinblick auf die Generalaudienz des nachfolgenden 21. Oktober 1981 begonnen hatte. Doch er hielt dann die vollständige Veröffentlichung nicht für ratsam, möglicherweise aus Klugheitsgründen in Verbindung mit den damals laufenden Ermittlungen. Die aufgefundenen zwei handschriftlichen Seiten, welche oberhalb mit einem großen X gekennzeichnet waren, lauten wörtlich: "1. Auch heute wünsche ich, einige Worte dieses unseres Zusammentreffens während der Audienz dem mit dem Ereignis des 13. Mai in Verbindung stehenden Thema zu widmen. An jenem Tage sind sich zwei Menschen begegnet: einer, der dem anderen das Leben zu nehmen trachtete - und jener andere, dem man das Leben zu nehmen trachtete. Die Göttliche Vorsehung hat jedoch bewirkt, daß dieses Leben nicht genommen wurde. Und deshalb kann sich jener andere Mensch an den ersteren wenden, kann mit ihm sprechen - und das scheint unter Berücksichtigung der Natur des Geschehens besonders bedeutsam und sachdienlich. Es ist wichtig, daß nicht einmal eine Episode wie jene des 13. Mai eine Kluft zwischen dem einen und dem anderen Menschen schaffen kann, um so eine völlige Stille zu bewirken, die den Abbruch jeder Kommunikation bedeutet. Christus - das fleischgewordene Wort - hatte uns über diese Wahrheit mit Worten belehrt, der nie aufhört, den Kontakt zwischen den Menschen herbeizuführen, trotz der Distanz, die von Geschehnissen herrührt, die manchmal den einen gegen den anderen stellen. Und so ist das, was ich euch, meinen lieben Zuhörern der Audienz, sagen möchte, doch auch in gleicher Weise an diesen meinen Bruder gerichtet, der mir am 13. Mai das Leben nehmen wollte, und auch wenn sich dies nicht verwirklicht hat, so ist er die Ursache vieler Verletzungen geworden, die ich für einige Monate behandeln werde müssen. So sind meine heutigen Worte in einem gewissen Sinn ein 'offener Brief' (vielleicht in Teilen ähnlich jenem vor einiger Zeit von Paul VI. geschriebenen Brief, nachdem Aldo Moro entführt worden war, aber gleichzeitig davon sehr zu unterscheiden). 2. Das erste Wort dieses 'Briefes' - besser, dieser offenen Rede - ist bereits am 17. Mai öffentlich gesagt worden, während des Angelus. Erlaubt mir, diesen Text zu zitieren (alles zu zitieren oder wenigstens jenen Teil, der von der Vergebung spricht ... vielleicht wird es besser sein, alles zu bringen, um auch an zwei Personen zu erinnern, die verletzt worden waren!) Am Sonntag, dem 17. Mai, sind diese Worte öffentlich gesagt worden. Aber die Möglichkeit, sie noch früher auszusprechen, in der Ambulanz, die mich vom Vatikan in das Poliklinikum Gemelli brachte, wo der erste und entscheidende chirurgische Eingriff gemacht wurde, betrachte ich als Frucht einer besonderen mir von Jesus gewährten Gnade, von meinem Herrn und Meister. Ja! Ich glaube, daß es eine besondere Gnade des gekreuzigten Jesus war, der unter den verschiedenen auf Golgota ausgesprochenen Worten vor allen anderen jenes 'Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun' ausgesprochen hatte. Der Akt der Vergebung ist die erste und fundamentale Bedingung, damit wir Menschen nicht gegenseitig voneinander getrennt und einer gegen den anderen gestellt sind. Weil wir bei Gott, der unser Vater ist, das Einvernehmen und die Einheit finden. Dies ist wichtig und wesentlich, wenn es um das Verhalten des einen Menschen gegenüber dem anderen geht, aber auch ..." Die Generalaudienz vom 21. Oktober 1981 handelte dann in der Tat von der Vergebungsbereitschaft und nahm auch Bezug auf das Attentat, aber nicht in der zuvor nachlesbaren Ausführlichkeit. In deutscher Sprache faßte der Diener Gottes Johannes Paul II. damals zusammen: "Liebe Brüder und Schwestern! Herzlich heiße ich euch alle zu dieser Audienz willkommen. Unsere Gedanken gehen heute noch einmal zurück zum Geschehen vom 13. Mai. Schon am Tage des Attentats und beim nachfolgenden sonntäglichen Angelusgebet habe ich dem Attentäter in christlicher Liebe verziehen. Christus selbst hat uns dazu nachdrücklich ermahnt und uns in seiner eigenen Todesstunde ein leuchtendes Beispiel gegeben, indem er am Kreuz für seine Henker betete: 'Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun'. Seit Kains Bluttat ist jeder Mord ein Brudermord dessen Blut von der Erde laut zu Gott gen Himmel schreit. Beten wir für alle, die sich auch heute noch dadurch ihre Hände und ihr Gewissen beflecken: 'Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern'." Das neue Buch enthält dann noch weitere Hinweise auf das heiligmäßige Leben und Sterben des Dieners Gottes Johannes Paul II., unter anderen auch seine freiwilligen Bußübungen und sein persönliches Fasten. So freue ich mich schon sehr auf den Tag der Seligsprechung des verstorbenen Papstes. Für mich persönlich steht über dem Pontifikat des verehrungswürdigen Papstes das, was er in der großen Moralenzyklika "Glanz der Wahrheit" in der Nummer 26 geschrieben hatte: "Kein Riß darf die Harmonie zwischen Glaube und Leben gefährden: die Einheit der Kirche wird nicht nur von den Christen verletzt, die die Glaubenswahrheiten ablehnen oder verzerren, sondern auch von jenen, die die sittlichen Verpflichtungen verkennen, zu denen sie das Evangelium aufruft (vgl. 1 Kor 5, 9-13)." So hat die Kirche viele Heilige hervorgebracht, und so laufen viele andere Seligsprechungsverfahren verschiedenen Orten bzw. Diözesen der Katholischen Kirche. Ich verweise abschließend nur auf zwei wieder aufgenommene Prozesse, die mir ein wenig vertrauter sind: so auf die Wiederaufnahme des Seligsprechungsverfahrens für den verstorbenen Jesuiten Pater Jakob Rem SJ und für den verstorbenen Diözesanpriester und berühmten Professor für Sozialethik, Johannes Messner. Da es sich auch bei diesen beiden um keine Blutmärtyrer handelt, ist so wie im Falle des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. ein Wunder auf die Fürsprache des Seligzusprechenden nachzuweisen. So dürfen und sollen wir die im Blogeintrag genannten und alle anderen uns bekannten Diener und Dienerinnen Gottes häufig anrufen und so dem Willen des dreifaltigen Gottes noch besser entsprechen. Im Gebet verbunden, Euer Vizeoffizial Dr. Alexander Pytlik - Padre Alex Samstag, 14. November 2009
NIEMALS WERDEN KATHOLISCHE BISCHÖFE ... Geschrieben von Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik
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12:47
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NIEMALS WERDEN KATHOLISCHE BISCHÖFE ÖSTERREICHS FRISTENLÖSUNG AKZEPTIEREN
Die katholischen Bischöfe Österreichs haben ein für alle Mal klargestellt, daß die von Papst Johannes Paul II. in der verbindlichen Lebensenzyklika Evangelium vitae verurteilte Straffreistellung für die bewußte Abtreibung unschuldigen ungeborenen Menschenlebens und somit die in Österreich positivrechtlich geltende Fristenlösung niemals ihre Zustimmung finden kann. Damit nehmen sie auf dem Hintergrund des diesbezüglich enttäuschenden "Ökumenischen Sozialwortes" eine klare Position ein und begegnen gleichzeitig entschieden dem von Dr. Josef Preßlmayer durch seine Veröffentlichung und ihren Titel "Der Abfall der katholischen Kirche Österreichs von der Lehre der Kirche zum Lebensschutz" vorgetragenen Generalvorwurf, den er mit seiner Fasten-Aktion vor dem Gebäude der Apostolischen Nuntiatur in Österreich bis vor kurzem noch öffentlich verstärkt und präzisiert hatte. (Leider hat er der Vertretung seiner Lebensschutzanliegen unter anderem auch durch Unterstützung eines verlogenen Buches [vgl. S. 4 seiner Veröffentlichung] sehr geschadet.) Nebenbei sei erwähnt, daß sogar das aufgrund vieler naturwidriger und widersittlicher Informationen sehr problematische Wiener Aufklärungsprojekt "Sex we can" offiziell davon spricht, daß gemäß der geltenden Rechtslage in Österreich die Abtreibungstötung nicht erlaubt sei, aber eben - und das ist das große nicht zu tolerierende Problem - vor allem fristenmäßig freigestellt sei von jeglicher Bestrafung. Somit sind sämtliche mißverständlichen Äußerungen seitens einzelner Amtsträger - und seien sie Mitglieder der Katholischen Bischofskonferenz Österreichs gewesen - welche auf eine Toleranz gegenüber der sogenannten Fristenlösung hindeuteten, zurückgewiesen und eine ganz klare mit dem Heiligen Stuhl verbundene Linie hergestellt, die auch die Ansprachen Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. bei seinem Pastoralbesuch in Österreich voll und ganz beachtet. Hier also der von kath.net und katholisch.at übernommene Wortlaut der Presseerklärung der Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz (9. bis 12. November 2009 in der Benediktinerabtei Michaelbeuern - Hervorhebungen und Verlinkungen von mir):
1. Lebensschutz Die Österreichische Bischofskonferenz hat beschlossen, ab dem kommenden Jahr jeweils im Juni in allen Diözesen eine "Woche für das Leben" durchzuführen. Anlaß dafür sind die vielen Abtreibungen, die demografische Entwicklung in Österreich, die große Sorgen bereitet, aber auch die Tatsache, daß seit Einführung der Fristenregelung bei vielen Menschen eine tiefgreifende Bewußtseinsänderung im Bezug auf den Schutz des Lebens eingetreten ist. Die Diskussion um die öffentliche Ehrung einer Abtreibungsklinik, um die Zahl von Abtreibungen in Österreich und um die rezeptfreie Abgabe der sogenannten 'Pille danach' haben dies sehr deutlich gemacht. Derzeit besteht mancherorts das Bestreben, über die Straflosigkeit hinaus Abtreibung zu einem 'Recht' zu machen. Dadurch würde schwerwiegendes Unrecht nicht nur straffrei, sondern sogar zu einem Anspruch, der eingefordert wird. Dazu hält die Österreichische Bischofskonferenz fest: Die Kirche steht auf der Seite des Lebens. Von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende liegt das Leben nicht in der Verfügungsmacht des Menschen, sondern in der Hand Gottes. Es ist und bleibt die Aufgabe der Kirche, die Stimme für das Leben zu erheben und sich insbesondere für die Schwachen einzusetzen. Dies gilt einmal mehr im Fall der noch nicht geborenen Kinder. Durch eine Abtreibung wird ein schutzloser Mensch getötet und gegen das Tötungsverbot der zehn Gebote verstoßen. Übersehen wird oft, daß auch die Mutter dabei Gewalt erfährt und sich gegen ihr Kind stellen muß. Eine rechtliche Regelung, die Abtreibung legalisiert oder ermöglicht, kann daher nie die Zustimmung der Katholischen Kirche finden. Das gilt auch für die österreichische Rechtslage. Die Kirche in Österreich wird nie aufhören zu fordern, daß das menschliche Leben von seinem Beginn an den vollen Schutz der österreichischen Rechtsordnung genießen muß. Derzeit sind alle Kinder in den ersten 12 Wochen in der Praxis schutzlos. Behinderte Kinder und Kinder von Müttern, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind sogar bis zur Geburt schutzlos. Die rechtliche Regelung der Abtreibung ist jedoch nur ein - wenn auch ein sehr stark bewußtseinsbildender - Aspekt der Bekämpfung von Abtreibung. Im Blickfeld müssen alle Maßnahmen zur tatsächlichen Reduktion der Abtreibungen stehen, insbesondere jene, die Frauen Hilfe und Schutz bieten, damit sie sich auch in widrigen Umständen für das Leben ihrer Kinder entscheiden können. Angesichts der demokratischen Realität in Österreich sind politisch engagierte Katholiken aufgefordert, Maßnahmen zu fördern, die zu einer tatsächlichen Reduktion von Abtreibungen beitragen. Dazu zählen u. a. die seit Jahrzehnten geforderten sogenannten flankierenden Maßnahmen, aber auch die ausreichende finanzielle Absicherung von Schwangeren und Müttern. Sehr zu unterstützen ist die Forderung von Staatssekretärin Christine Marek, endlich auch in Österreich eine bundesweite Studie zu Zahlen und Ursachen von Schwangerschaftsabbrüchen zu ermöglichen. Solch eine Studie ist ein wichtiger, notwendiger Schritt, das Schweigen zum Drama der Abtreibung zu durchbrechen und jene Hilfen zu suchen, die den wahren Bedürfnissen der Schwangeren in Not entsprechen. Sehr wichtig ist, daß die Gewissensfreiheit der Ärzte, der Krankenschwestern, der Apotheker auch in Zukunft gesetzlich gesichert bleibt. Weiters muß der Druck auf eine Mutter, eine Abtreibung vorzunehmen, wenn ein Kind behindert ist oder ein diesbezüglicher Verdacht im Raum steht, gesetzlich unterbunden werden. Niemals soll es geschehen, daß ein Kind, auch nicht ein behindertes - als "Schadensfall" betrachtet wird. Die Katholische Kirche bietet jeder schwangeren Frau konkrete Hilfe an: in allen Diözesen gibt es Beratungsstellen und Hilfsfonds für Schwangere. 2. Zwanzig Jahre Fall des Eisernen Vorhangs Die Erinnerung an das "Wunder von 1989" prägt diese Tage. Das Wort "Wunder" wird bei den Gedenkfeiern zum Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs immer wieder gebraucht. Und tatsächlich: wer die europäische Geschichte betrachtet, wird außer 1989 kaum eine zweite dramatische Wende finden, die ohne Blutvergießen abgelaufen ist. Vielleicht hat es damit zu tun, daß Christen wesentlich an der "Wende" von 1989 beteiligt waren. So ist es auch kein Zufall, daß am 9. November in Berlin die Gedenkfeiern zum Fall der "Mauer" mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Gethsemane-Kirche begannen. Diese Kirche war in den Monaten vor dem 9. November 1989 einer der Brennpunkte des Widerstands gegen das SED-Regime. Es ist notwendig, sich daran zu erinnern, daß die Entwicklung hin zum Fall der Berliner Mauer viel mit den Kirchen zu tun hatte. In der damaligen DDR war unter dem Schutz der Kirchen ein wachsendes Netzwerk zivilgesellschaftlicher Gruppen entstanden, die sich für einen grundlegenden sozialen und politischen Wandel einsetzten. Die Gruppen waren wesentlich von den ökumenischen Versammlungen inspiriert, die in Magdeburg und Dresden als Teil des "Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" stattfanden. Unter den ganz anderen historischen und geistesgeschichtlichen Bedingungen der DDR spielte sich ein Prozeß ab, der viele Parallelen mit der Entwicklung im benachbarten Polen hatte, wo der Aufstieg der "Solidarnosc" bereits im Juni 1989 zu freien Wahlen und zur Beauftragung des ersten nichtkommunistischen Ministerpräsidenten seit 1945 (Tadeusz Mazowiecki) geführt hatte. Es ist faszinierend, daß die Botschaft des Evangeliums in zwei so unterschiedlichen Ländern wie Polen und Ostdeutschland als Ferment gewirkt hat, um dramatische gesellschaftliche Veränderungen auszulösen. In beiden Ländern gingen entscheidende Impulse von Christen aus, die mit der Botschaft des Evangeliums über Ursprung und Ziel des Menschen ernst machten und den Versuch unternahmen, "in der Wahrheit zu leben" (Vaclav Havel). Der Rückblick auf 1989 hat unter den Bedingungen von 2009 auch etwas Tröstliches: die Auseinandersetzungen mit dem neuen Atheismus und Laizismus verblassen, die Bedeutung des Christentums für Europa wird deutlicher sichtbar. Freilich ist auch eine kritische Frage unvermeidlich: was hat Europa, was haben die Christen mit der kostbaren Gabe der friedlichen "Wende" im Herbst 1989 gemacht? Haben sie dieses "Talent" entsprechend genutzt? Oder haben sie es "vergraben" im Triumph des praktischen Materialismus, im Rückgriff auf die altmodischen Modelle des 19. Jahrhunderts von Nationalismus bis Machtpolitik? Das 20-Jahr-Gedenken der Überwindung des Eisernen Vorhangs (ab 5. Dezember 1989 wurde der Stacheldraht an der Grenze zwischen der damaligen Tschechoslowakei und Österreich abgetragen) ist ein doppelgesichtiges Ereignis: es war einer jener seltenen Augenblicke der Geschichte, in dem die Würde des Menschen die Oberhand hatte. Aber es bleibt ein Gefühl des Versagens, weil die Chance dieses Augenblicks nicht entsprechend genutzt wurde. 3. Klimawandel Die dramatische Zuspitzung der weltweiten Klimakrise löst zunehmend berechtigte Sorge aus. Die Bischöfe begrüßen daher alle Schritte von staatlicher wie auch von Seiten der Nichtregierungsorganisationen, die zur Realisierung eines sozial ausgewogenen und nachhaltigen Post-Kyoto-Abkommens der UNO gesetzt wurden und in Planung sind. Mit Nachdruck unterstützen die Bischöfe die internationale Kampagne gegen Armut und für Klimagerechtigkeit "Klima fair bessern!", die im Dezember 2008 von den katholischen Hilfswerken und der Konferenz der Umweltbeauftragten der Katholischen Kirche Österreichs gestartet wurde. Diese Kampagne mahnt die langjährige Verpflichtung der UN-Mitgliedsstaaten ein, den weltweiten Anstieg der Durchschnittstemperatur zu begrenzen. Sie betont, das Recht von Menschen in Entwicklungsländern auf ihre nachhaltige Entwicklung fordert und eine ausreichende und vorhersehbare Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsländern. Die Österreichische Bischofskonferenz erwartet, daß sich die Bundesregierung bei der im Dezember 2009 stattfindenden UN-Klimakonferenz für das Zustandekommen eines fairen, verbindlichen, einklagbaren und weltweiten Klimaabkommens einsetzt, daß zu einem Klima der Gerechtigkeit beiträgt. Auf der ganzen Welt werden am Sonntag, 13. Dezember, Kirchenglocken läuten, um die Konferenzteilnehmer in Kopenhagen aufzurufen, ein nachhaltiges und gerechtes Abkommen abzuschließen. Im Anschluß an das Glockenläuten sind alle Pfarrgemeinden eingeladen, gemeinsam für einen guten Ausgang der Verhandlungen zu beten. 4. Gesetzesentwurf über die "Eingetragene Partnerschaft" Die Bischöfe haben sich mit dem Entwurf für ein Bundesgesetz über die "Eingetragene Partnerschaft" auseinandergesetzt, das in rascher Vorbereitung ist und am 1. Januar.2010 in Kraft treten soll. Der Entwurf ist in seiner Substanz wesentlich weniger weitreichend als die in anderen Ländern erlassenen Gesetze. Er intendiert keine Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit der Ehe, was positiv zu bewerten ist. Die im Entwurf vorgesehene Beurkundung der "Eingetragenen Lebenspartnerschaft" bei der Bezirksverwaltungsbehörde im Gegensatz zur zivilen Eheschließung beim Standesamt manifestiert deutlich den Unterschied zwischen Lebenspartnerschaft und Ehe. Dennoch ist zu befürchten, daß der vorliegende Entwurf im Falle seines Inkrafttretens die Voraussetzung für eine Entwicklung liefert, die letzten Endes zu einer völligen Gleichstellung der "Eingetragenen Partnerschaft" mit der Ehe führt. Die österreichischen Bischöfe halten daher die Einführung einer "Eingetragenen Partnerschaft" für homosexuelle Paare weiterhin weder für angebracht noch für notwendig, weil die bestehenden zivilrechtlichen Bestimmungen die entsprechenden Sicherheiten gewähren. Der Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau gebühren bestimmte Rechte. Es handelt sich dabei nicht um Privilegien, denn die Familie auf der Grundlage der Ehe erbringt Leistungen, insbesondere in Bezug auf die Erziehung von Kindern. Eine Übertragung solcher Rechte auf gleichgeschlechtliche Paare ist sachlich nicht gerechtfertigt. Die mögliche Einführung des Rechtsinstituts der "Eingetragenen Partnerschaft" für homosexuelle Paare hat unabsehbare Folgen für die ganze Gesellschaft. Angesichts der damit verbundenen fundamentalen Fragen nach den Grundwerten der Gesellschaft werden alle Abgeordneten ermutigt, sich darüber ein sorgfältiges Urteil zu bilden und bei der Abstimmung im Parlament ausschließlich ihrem Gewissen zu folgen. 5. Kreuz im Klassenzimmer Das Kreuz-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hat in ganz Europa großes Aufsehen und Kritik erregt, wenngleich es noch nicht rechtskräftig ist und sich auch nur auf die rechtliche Situation in Italien beschränkt. Klar ist, daß diese Entscheidung auf Österreich keine rechtlichen Auswirkungen hat, weil hier eine grundlegend andere völkerrechtliche und innerstaatliche Rechtslage besteht. Dennoch gibt dieses Urteil Anlaß zu berechtigter Sorge. Der Gerichtshof bevorzugte in seinem Urteil in doppelter Hinsicht zu Unrecht bestimmte Aspekte der Religionsfreiheit. Das ist einmal die individuelle gegenüber der kollektiven Seite der Religionsfreiheit sowie die negative gegenüber der positiven Dimension dieser Freiheit. In letzter Konsequenz führt diese einseitige Sicht des Gerichtshofes dazu, daß die individuelle Religionsfreiheit einzelner Personen das Recht auf kollektive, öffentliche Religionsübung aushöhlt, was bislang nur in religionsfeindlichen totalitären politischen Systemen vorgekommen ist. Denn Religionsfreiheit bedeutet im Kern das Menschenrecht, die religiöse Überzeugung einzeln oder gemeinsam, sowohl privat als auch öffentlich auszuüben - diese positive Sicht der Religionsfreiheit muß auch in Zukunft garantiert sein. Festzuhalten ist, daß der religiös-weltanschaulich neutrale Staat nicht einem radikalen Laizismus verpflichtet ist, der in seiner strikten Ablehnung von Religion einen Absolutheitsanspruch stellt. Religiös-weltanschauliche Neutralität bedeutet daher in fast allen europäischen Staaten schon seit langem nicht mehr, daß Religion aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt und zur Privatsache erklärt wird. Da Religion wesentlich Werte und Sinn einbringt, trägt sie zu jenen Voraussetzungen bei, von denen der demokratisch verfaßte Staat lebt, ohne sie selbst erzeugen oder garantieren zu können. Der moderne Staat ist daher, um tatsächlich neutral und unparteiisch zu sein, bestens beraten, Religion nicht gesellschaftlich zu marginalisieren, sondern ihr einen entsprechenden Platz auch im öffentlichen Raum zu sichern. Wer für Österreich überdies die "Trennung von Staat und Kirche" einfordert, sollte genau sagen, auf was er zielt, nämlich eine radikale, feindselige Form dieser Trennung. Demgegenüber ist in Österreich in bewährter Weise das Modell einer auf allen institutionellen Ebenen gegebenen, aber grundsätzlich freundschaftlichen Trennung verwirklicht, die sich durch Kooperation zum Wohl der Menschen auf vielen Gebieten auszeichnet. Bildung, Krankenpflege und Caritas sind wohl die herausragendsten Beispiele dafür. Dem entspricht auch die in Österreich geltende Regelung, daß in jenen Schulen, in denen die Mehrheit der Schüler und Schülerinnen einem christlichen Bekenntnis angehört, in allen Klassenräumen ein Kreuz anzubringen ist. Hier ist das demokratische Mehrheitsprinzip leitend, keinesfalls geht es um Intoleranz. Das Kreuz als das christliche Grundsymbol ist ein wesentlicher Teil der europäischen Kultur. Es geht daher auch um Bewahrung kultureller Identität, weshalb dieses Urteil auch Menschen berührt, die den christlichen Glauben nicht praktizieren oder einer anderen Religion anhängen. Besonders religiöse Symbole haben es an sich, daß sie eine vielschichtige Bedeutung in sich tragen. Im Klassenzimmer wie im Gerichtssaal gibt es auch ungerechte Beurteilungen und Urteile - das Kreuz hält den Blick offen, daß solch menschliche Entscheidungen keine letzten und schon gar keine letztgültigen sind. Es entlastet und relativiert zugleich. Das Kreuz im Krankenzimmer, in dem sich oft unerbittlich die Sinnfrage stellt, steht als Garant einer letzten Hoffnung, denn beim Kreuz ist auch die Auferstehung. Für jeden Menschen aber wird durch dieses Kreuz deutlich, daß hier Menschen wirken, die sich unter Gott wissen und sich selbst nicht zum Maß der Dinge erheben. Auch für die Andersgläubigen kann sich so eine unausgesprochene gemeinsame Basis des Vertrauens ergeben, die für das Zusammenleben sehr wichtig ist. Wichtig ist auch die Klarstellung, daß der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte keine Einrichtung der Europäischen Union ist. Die Bischöfe danken den vielen, die sich deutlich zur guten österreichischen Tradition bekennen, in der Religion grundsätzlich wertgeschätzt wird und die christlichen Wurzeln unserer Identität lebendig gehalten werden. Diese breite gesellschaftliche Allianz soll all jenen in Europa eine selbstbewußte und starke Stimme geben, für die das Kreuz als religiöses und kulturelles Symbol wertvoll ist und die Religion nicht aus dem öffentlichen Raum verbannt wissen wollen. 6. Bildungsdiskussion Die Bischöfe verfolgen die derzeitige Diskussion zur Bildungsreform mit großem Interesse. Die Kirche hat sich aus ihrer Tradition heraus immer für Bildungsthemen eingesetzt. Im Bereich der Bildung fallen nicht nur Entscheidungen über gesellschaftliche Teilhabe, sondern auch über den sozialen Zusammenhalt der zukünftigen Generationen. Umso mehr sind die Bischöfe in Sorge, wenn sich zu oft parteipolitisches Kalkül und Streben nach tagespolitischem Erfolg in diesem sensiblen Bereich durchsetzen und über manche Strecken die Bereitschaft zur Diskussion im Grundsätzlichen abgeht. Die Bischöfe danken allen, die sich in der Schule den Kindern und Jugendlichen widmen, in deren Köpfen und Herzen die Zukunft Gestalt annimmt, den Lehrerinnen und Lehrern, aber auch allen anderen Menschen in pädagogischen Berufen. Je größer und umfassender die Aufgaben werden, die vor allem der Schule hinsichtlich Erziehung, Vermittlung von Werten und von Sinn zuwachsen, umso deutlicher sind sie herausgefordert. Denn es geht nicht mehr nur um Weitergabe von Wissen, sondern es gilt auch wieder neu Tugenden zu vermitteln. Es gibt durchaus positive Bemühungen um Strukturverbesserungen. Bildungschancen für möglichst alle Kinder sollen unabhängig vom sozialen Status der Eltern gesichert werden. Aber diese Diskussion von Strukturreformen ersetzt keinesfalls den eigentlichen gesellschaftlichen Diskurs über das, was Bildung sein kann und sein soll. Es zahlt sich aus, Bildung wieder als einen Weg hin zu eigenverantwortlicher Menschwerdung zu verstehen. Zugleich mit dem angeeigneten Wissen wächst auch die Fähigkeit zu selbständigem Denken, Urteilen und Handeln als Grundlage der Freiheit. Eine Auseinandersetzung mit der Sinnfrage, mit den Fragen nach "Woher" und "Wohin", nach Herkunft und Zukunft also, ist unverzichtbarer Teil von Bildung, die letztlich Weisheit anstrebt. Die derzeitige ökonomistische Verengung des Bildungsbegriffs bedarf sicherlich einer Erweiterung des Horizonts. Es kann und soll nicht nur das in den jungen Menschen gefördert und entfaltet werden, was auf dem Arbeitsmarkt unmittelbar verwertbar ist. Zudem wird es immer wichtiger, Menschen auch für ein gutes Leben außerhalb und nach der Berufswelt zu bilden. Diese Überlegungen gelten für die akademische Bildung ebenso wie für die praktische Berufsausbildung. 7. Kirchenbeitrag Die österreichischen Bischöfe sehen die deutlich erhöhte steuerliche Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags als positives Zeichen. Daß jetzt bis zu 200 Euro Kirchenbeitrag pro Jahr steuerlich absetzbar sind, ist ein Fortschritt. Damit wird auch anerkannt, daß aus den Mitteln des Kirchenbeitrags wertvolle Initiativen für das Zusammenleben der Menschen in Österreich ermöglicht werden. Es bleibt der Wunsch nach voller steuerlicher Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags. Das österreichische Kirchenbeitragssystem bietet gute Voraussetzungen, um die vielfältigen seelsorglichen, sozialen und kulturellen Aufgaben der Kirche in einer pluralistischen Gesellschaft zu erfüllen, die letztlich allen zu Gute kommen. Viele österreichische Katholiken leisten regelmäßig ihren Kirchenbeitrag. Die Bischöfe danken den getauften und gefirmten Katholiken, daß sie auch die finanziellen Konsequenzen ihres Christseins ernst nehmen. 8. Jahr des Priesters Papst Benedikt XVI. hat das internationale "Jahr des Priesters" ausgerufen. Bis zum 11. Juni 2010 soll die Weltkirche den Auftrag und die Sendung des Priesters in den Blick nehmen und alle Bemühungen um geistliche Berufungen stärken. Das Priesterjahr knüpft an das 150. Todesjahr des heiligen Pfarrers Jean-Marie Vianney (1786 - 1859) an und steht unter dem Leitwort "Treue in Christus, Treue des Priesters". Die Bischöfe danken den vielen Priestern, die in großer Treue ihrer Berufung folgen. Das "Jahr des Priesters" soll für Geistliche Anlaß sein, ihre Beziehung zu Christus und die Freude an ihrer Berufung durch Exerzitien zu vertiefen, theologischen Fragestellungen verstärkt Raum zu geben und die Gemeinschaft untereinander zu festigen. In diesem Sinn finden in den Diözesen und Ordensgemeinschaften zahlreiche Veranstaltungen, Besinnungstage und Wallfahrten statt. Ein Höhepunkt wird das Symposion zum Thema "Berufungspastoral" sein, das von 20. bis 22. April 2010 in St. Georgen/Längsee stattfindet und vom Österreichischen Pastoralinstitut gemeinsam mit dem Canisiuswerk, der Superiorenkonferenz der Männerorden und der Vereinigung der Frauenorden veranstaltet wird. Im Zentrum des Symposions stehen Fragen nach dem Stellenwert der geistlichen Berufe sowie der Motivation und Aktualität eines Lebensstils nach den "evangelischen Räten". Dabei sollen auch Erfahrungen darüber ausgetauscht werden, wie gerade jungen Menschen die Perspektive eines geistlichen Berufs eröffnet werden kann. Darüber hinaus soll in Österreich eine vertiefende "Zeit der Berufung" von Ostern bis Pfingsten 2010 einen weiteren Akzent setzen und möglichst viele Menschen in Gebet und Engagement für geistliche Berufe einbeziehen. Priester aus Österreich werden auch an einem Internationalen Priesterkongreß in Rom vom 9. bis 11. Juni 2010 teilnehmen, mit dem das internationale "Jahr des Priesters" abgeschlossen wird. 9. Pfarrgemeinderäte Die Bischöfe danken den Pfarrgemeinderäten für ihren Einsatz und ihre Sorge um den Glauben und das kirchliche Leben in unserem Land, wie es eindrucksvoll in den Ergebnissen einer von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen neuen Studie zum Ausdruck kommt. Insgesamt haben sich 7.329 Pfarrgemeinderäte an dieser Studie beteiligt, die folgendes Bild ergibt: Aus der Verwurzelung im Glauben heraus leisten Pfarrgemeinderäte einen wichtigen Beitrag zur Kultur des Zusammenlebens in der Gesellschaft. Die Motive, warum sich Menschen im Pfarrgemeinderat engagieren, speisen sich einerseits aus den "Quellen" des Glaubens: aus der Liebe zu Gott und zu den Menschen, aus der Liebe zur Kirche und zur Pfarre. Diese Motive verbinden sich andererseits im sogenannten "Neuen Ehrenamt" mit dem Interesse an einem Engagement für die Gemeinschaft, das auch zur eigenen menschlichen und spirituellen Reifung beiträgt. Neben der Arbeit im Team ist dabei die Möglichkeit wichtig, entscheidend mitzugestalten. Aus dem Engagement heraus ergeben sich jedoch auch Besorgnisse und Fragen im Blick auf die Zukunft: Wie gelingt der Kontakt zu Jugend und Kindern? Ist die sonntägliche Feier der Eucharistie in der Pfarre sichergestellt? Wie können Menschen zur Mitarbeit gewonnen werden? Was wird aus der Pfarre im Zusammenhang verschiedener Prozesse der Neustrukturierung? Dennoch bekunden 88 Prozent der Pfarrgemeinderäte, daß sie mit ihrer Tätigkeit sehr zufrieden oder zufrieden sind. Die Zufriedenheit hängt von mehreren Faktoren besonders ab. Zunächst, ob der Einsatz die Möglichkeit bietet, tatsächlich entscheidend mitgestalten zu können. Einen weiteren Faktor bildet die professionelle Arbeitskultur, die mit der Qualität der Zusammenarbeit mit dem Pfarrer in engem Zusammenhang steht. Wichtig ist, ob ein "Klima des Aufbruchs" spürbar ist. Der Pfarrgemeinderat steht für die pastorale Grundversorgung vor Ort; dafür werden die meisten Kräfte eingesetzt. Deshalb wird die Frage nach der Zukunft der Pfarre an der Frage nach dem Priester im Ort festgemacht. Mit den Ergebnissen dieser Studie ist eine wichtige Grundlage für die Wallfahrt und den Kongreß der Pfarrgemeinderäte von 13. bis 15. Mai 2010 in Mariazell gelegt. Dort werden auf Einladung der Bischofskonferenz erstmals Pfarrgemeinderatsvertreter aus ganz Österreich mit den Bischöfen, Priestervertretern und Verantwortlichen für die Pastoral zusammentreffen, um gemeinsam über die Zukunft der Pfarren zu beraten, miteinander zu beten und sich miteinander auf den Weg machen. Es wird damit jener Weg fortgesetzt, der 2007 mit der Übergabe der "Apostelgeschichten der Gegenwart" an Papst Benedikt XVI. begonnen wurde. Die Bischöfe rufen die Pfarrgemeinderäte und alle Gläubigen zum Gebet für ein "Klima des Aufbruchs" auf. Es gilt das Wort des Papstes in Mariazell 2007 in den Alltag zu übersetzten: "Wo Gott ist, da ist Zukunft." [ENDE DER ERKLÄRUNG DER KATHOLISCHEN BISCHÖFE UND REGIERENDEN ORDINARIEN ÖSTERREICHS.] Der Aufruf der katholischen Bischöfe Österreichs kann auch per Internet namentlich unterstützt werden, und zwar vor allem auf den Internetseiten www.frauen-schuetzen.at und www.ehe-schuetzen.at. Außerdem sei an dieser Stelle ganz besonders das aufklärende Buch unter dem Titel "Geschäft Abtreibung" zum Lesen und Weiterschenken empfohlen. Mit herzlichem Gruß, Euer Padre Alex - Vizeoffizial Dr. Alexander Pytlik |
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